Tag-Archive for ◊ Birkenpilz ◊

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• Sonntag, September 19th, 2010

Vor nicht einmal drei, vier Tagen sagte ich zu Erika: „…nur einmal möchte ich auch so ein Glück haben und in einem solchen Feld stehen, dann auf allen Vieren herumkriechen, bis man wirklich nicht mehr kann und der Korb schon überquillt. Wie machen die Leute das, wo suchen die nur? Das muss an unseren Wäldern liegen, die einfach zu monoton hinsichtlich des Baumbestandes sind.“. Nun ja, so kann man sich täuschen, aber dazu später mehr.

Unsere heute vierstündige Tour (aus gutem Grund) begann gegen 13.00 Uhr am „Stammabschnitt für den Sonntag“, den wir seit einigen Wochen bewandern. Bereits zu Beginn gab es einen schönen Auftakt, denn zum ersten Mal in diesem Jahr fand ich ein wunderschönes Exemplar des Grünspanträuschling und hatte so die Gelegenheit das Foto, das ich vor einigen Jahren noch mit einer HP Photosmart Kamera geschossen hatte gegen ein qualitativ hochwertigeres zu ersetzen:

Wir bewegten uns den Hang weiter nach oben und die Röhrlingsfunde fielen sehr sporadisch aus: einige Rotfußröhrlinge, einzelne Pfifferlinge, vereinzelte Birkenrotkappen, viele davon schon einfach zu alt:

Als plötzlich ein Schrei durch den Wald hallt… Molly jaulte zwei Mal auf, Erika rief sie zurück – vergebens. Mir kam die Situation sehr bekannt vor, daher reagierte ich etwas gefasster als damals am Buchbrunnen. Schnell in Richtung des Rufes und den Korb abgestellt. Erika rief mir noch die Info hinterher, dass es ein Reh sei, dem Molly da hinterjagt. Nun gut, einfach in ihre vermutete Richtung hinterher, versuchen mit einer möglichst „gelassen klingenden“ Stimme die Jägerin zurück zu holen und sich bloss nicht aus der Ruhe bringen lassen. Keine Minute später kehrte sie ganz stolz zurück, als wenn nichts gewesen sei, aber der Schreck saß Erika tief in den Knochen. Was war passiert: das Reh stand keine zwei Meter von Erika entfernt, als es davonlief und es für Molly kein Halten mehr gab. Nun gut, auch diese Situation haben wir überstanden…

Den Hang weiter hinauf, einzelne Rotkappen einsammeln, Überreste von vergammelten Steinpilzen entdecken und in Richtung Querweg vorarbeiten. Oben angekommen ging es zum Rotkappen-Wald, der in den letzten Wochen für kontinuierlich gute Ausbeuten bürgte. Erika setzte sich auf den Schreck mit Molly an den Wegesrand, während ich mich durch das Unterholz vorarbeitete. Ein Eindruck dieses Waldabschnitts:

Die ersten Rotkappen ließen nicht lange auf sich warten, zwischendurch sah ich riesige Exemplare stehen, die aber wie gewohnt am Standort verblieben.

Als ich mich so langsam in Richtung „Ausgang“ begeben will, finde ich diesen schönen Gesellen, von dem ich noch nicht hundertprozentig überzeugt bin, in welche Gattung ich ihn stecken soll. Mit Sicherheit Leccinum (Raufußröhrling), wahrscheinlich Schwarzschuppiger Birkenröhrling, aber irgendwie erscheint mir die gesamte Färbung zu dunkel. Nachtrag: es handelt sich um den Schwärzenden Birkenpilz (Leccinum melaneum) – ein weiterer Erstfund. Auf jeden Fall war er wunderschön anzusehen:

Hier habe ich dann auch eine Dreier-Gruppe Rotkappen entdeckt, die vermeintlich auf den ersten Blick nur aus einer bestand.

Die anderen zwei waren unter den Blättern gewachsen, wirklich wuchtig und massiv und aufgrund der fehlenden Sonneneinstrahlung war eine davon zum „Albino“ mutiert:

Erika hatte in der Zwischenzeit am Wegesrand diesen schönen Steinpilz entdeckt

und nun ging es abseits des Weges quer durch den lichten Wald, wieder einen Hang nach oben, wo in der letzten Woche einige Steinpilze und ein riesiger, zertretener Milchbrätling auf mich wartete. Zwar fanden wir einen Steinpilz, aber keine Milchbrätlinge und so bewegten wir uns zur nächsten Stelle. Hier ebenfalls kein Erfolg, so ging es dann in Richtung Auto, denn der Marsch zurück dauert im Regelfall noch eine gute halbe Stunde. Der Korb war angenehm gefüllt, daher hatten wir eigentlich auch genug.

Zwischendurch habe ich noch einen Abstecher in ein Mischwäldchen gemacht, dass aus jungen Birken, Buchen, Fichten und Kiefern besteht, sehr moosig bewachsen ist und die Feuchtigkeit gut hält. Dort stieß ich dann auf eine weitere Birkenrotkappe und… ein Milchbrätling! Perfekt! Hatte ich mir doch vorgenommen meinem Vater heute welche vorbeizubringen, am besten noch frische Exemplare zu den von gestern.

Am Rand des Weges habe ich diese schön in Reih und Glied gewachsenen Pfifferlinge gefunden:

Weiter ging es und nach diesem Glückstreffer hatte ich ein gutes Gefühl, dass man vielleicht gleich noch einmal in den Wald links des Weges sehen und Glück haben könnte – leider war dem nicht so… aber ich stand in einem Abschnitt, wo mir zum ersten Mal wirklich der Atem stockte. So ganz traute ich meinen Augen zunächst nicht, denn die Größe der vorgefundenen Pilze passte keineswegs zu dem Bild, dass ich für gewöhnlich davon kenne – sie waren einfach zu groß. Und ich sah mich um, entdeckte die nächste Gruppe, das nächste Büschel und so setzte es sich schier endlos fort. Alles stand voll mit Herbsttrompeten!!! In Mengen, wie ich es noch niemals erlebt habe. Ich stellte den Korb ab, ging raus auf den Weg und sagte zu Erika nur: okay, jetzt ist mein Wunsch in Erfüllung gegangen, komm einfach mal mit. Sie wusste natürlich erst mal nicht, wovon ich spreche und ich präsentierte ihr zunächst diese wunderschönen Exemplare, bevor ich ihr den gesamten Umkreis aufzeigte:

Zunächst unterstützte mich Erika bei der Ernte, aber mir war nach dem Schreck zu Beginn des Ausflugs nicht so wohl beim Gedanken, dass Molly einfach alleine im Platz verharrend auf dem Weg sitzt – die Vorahnung war richtig: keine Minute später läuft eine Dame mit Dackel vorbei und man weiss ja nie, was der Jägerin an einem solchen Tag durch den Kopf geht. Erika putzte also zwischenzeitlich vor, während ich weiter durch den Abschnitt kroch und sammelte.

Das Ergebnis: ein Korb voll Herbsttrompeten zu dem bereits mit Röhrlingen gefüllten anderen Korb 😉

Zuhause angekommen habe ich dann ein Vorher-Nachher-Bild aufgenommen:

Die gesamte Ausbeute unserer Tour setzt sich so zusammen:

Ein wirklich genialer Pilzsonntag neigt sich seinem Ende zu – natürlich nur bildlich gesprochen. In der Realität ist nun erst einmal viiiiiiiiiiel Putzarbeit angesagt, wobei es sich bei den Totentrompeten ja in Grenzen hält. Und dann machen wir uns noch Gedanken, was wir uns noch kochen werden, denn so eine frische Mahlzeit mit diesen, wie die Franzosen gerne sagen, „Trüffeln des kleinen Mannes“ ist sicher nicht zu verachten.

Hier noch einige Bilder mehr als komfortable Galerie zum Durchklicken… einen guten Start in die neue Woche und das nächste Wochenende kommt bestimmt.

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• Sonntag, September 12th, 2010

Bevor wir heute gegen 12.00 Uhr losfuhren, kam Sammy (Labrador aus der Nachbarschaft) mit seinem jungen Herrchen vorbei und Molly konnte noch eine Runde mit ihm im Garten herumtoben.

Schon beklagen sich die ersten „es gibt keine Schwammer mehr…“. Im Wald angekommen trafen wir ein Pärchen, daß „schon eine halbe Stunde hier rumrennt, aber noch fast nix gefunden hat“ und „mein Mann ist sogar zwischen den ‚Tannen‘ herumgekrochen, aber da war auch nix“. Nun ja, was soll man dazu sagen? Freundlich, wie ich nun mal bin, verwies ich darauf, daß es eben derzeit nicht feucht genug sei, aber bei geeigneter Witterung spätestens beim nächsten Neumond noch einmal mit einem Wachstumsschub zu rechnen sei – wollten sie mir nicht so recht glauben… bleibt eben mehr für uns.

Erika und ich wanderten dann los und keine 100 Meter entfernt ging es mit diesem wackeren Gesellen los

Wir trennten uns dann wieder, um zwei verschiedene Abschnitte zeitgleich zu inspizieren und Molly rannte immer zwischen uns beiden hin und her. Als ich oben ankam wartete sie schon auf mich

Auch in dieser Woche begrüßte uns mitten auf dem Weg ein schöner Steinpilz

und ich machte dann den obligatorischen Abstecher in den Rotkappen-Wald, während Erika und Molly draussen warteten und eine Brotzeit machten. Hier sah ich aus der Ferne einen Pilz auf einem Baumstumpf, den ich aus der Distanz für einen Milchbrätling hielt – dem war aber nicht so:

Bei genauerer Betrachtung des direkten Umfeldes grinste mich spitzbübisch aus dem Unterholz dieser schöne Kerl an:

Ein Blick nach rechts offenbarte diese Exemplare, ebenfalls gut getarnt unter diesem umgestürzten Baum:

Die Ausbeute dieser einen Stelle setzte sich so zusammen:

Ich kroch weiter durch das Unterholz, ein peitschender Asthieb jagte den nächsten und immer wieder stieß ich dabei auf schöne Zwillingspärchen:

Zurück auf den Weg und selbst eine kleine Brotzeit gemacht, dabei den Blick in die Ferne schweifen lassen und sich umsehen, wo man denn noch hinlaufen kann. Ein Abschnitt hangabwärts erregte dabei mein Interesse, denn ich konnte große Farnsträucher entdecken, die auf relativ feuchten Boden schließen lassen. Dort gibt es meistens auch Moos, häufig auch Heidelbeersträucher und was sagt mir das? Verdächtig, verdächtig… wir liefen also getrennt in den Abschnitt und ich machte einen Abstecher in eine andere Richtung und wurde nicht enttäuscht, denn meine Theorie bestätigte sich:

Erika stieß auch wieder dazu und wir entdeckten noch einige Überreste gigantischer Steinpilze, die ein anderer Sammler mit seinem Messer in Augenschein genommen hatte – alles nicht mehr verwertbar. Ein naher Mischwald mit moosigen, leicht laubbedecktem Untergrund kam als nächstes an die Reihe. Hier hat sich wohl wieder mal ein Mensch mit relativ unzureichender Pilzkenntnis zu schaffen gemacht, denn ich „stolperte“ über das hier:

Zum Glück war dieses riesige Exemplar eines Milchbrätling noch fest, denn er wanderte in den Korb – wäre echt schade drum gewesen. Wir liefen ein Stück weiter und kamen wieder auf den ursprünglichen Weg zurück. Erika hatte in der Ecke zwar schon einiges inspiziert, aber ein Seitenweg erschien mir auch wieder recht verdächtig und ich zog mit Erika’s Korb (ist kleiner) bewaffnet los. In der Mitte des Weges standen junge Fichten, die immer größer wurden, so dass ich irgendwann nicht mehr auf die „andere Seite“ des Weges sehen konnte.

Und weil in Deutschland Rechtsfahrgebot gilt, blieb ich auf der rechten Seite des Weges, denn die andere Seite wollte ich mir dann auf dem Rückweg vornehmen – im Kopf hatte ich da schon ein Bild vor Augen, was wohl dort zu finden sein könnte. Dem war auch so…

Zurück bei Erika angekommen tauschten wir wieder den Korb und standen dabei direkt vor diesen prächtigen Kerlchen

Der Korb war mittlerweile schon richtig gut gefüllt und so beschlossen wir zurückzulaufen – kurze Verschnaufpause, Molly bewacht wie immer die Beute:

Auf dem Weg zurück zum Auto machte ich noch den ein oder anderen Abstecher in den angrenzenden Wald, weil dieser immer wieder mit einer Überraschung aufwartete. Zum Beispiel diese schönen Milchbrätlinge:

Diese Steinpilze durften natürlich auch nicht fehlen, wenn sie einen schon so schön vom Wegrand aus angrinsen…

Die Ausbeute des heutigen Tages wird nun geputzt (mir graut jetzt schon davor, denn da sitze ich garantiert einige Zeit) und setzt sich so zusammen:

Hier ein Größenvergleich Feuerzeug vs. Milchbrätling, Hexenröhrling und Rotkappe

Wie üblich die Bilder des Tages noch einmal als Galerie – sind auch noch einige Fotos dabei, die ich nicht in den Artikel eingefügt habe…

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• Freitag, September 10th, 2010

Es gibt kaum etwas schöneres als mit Molly am Freitag auf Tour zu gehen, denn da ist das beginnende Wochenende noch am längsten. Das Wetter war dezent, mild, leicht bewölkt, aber es dauerte nicht lange bis die Sonne zwischen den Wolken durchbrach – ich genoß die warmen Sonnenstrahlen, die den Herbst einläuten, im T-Shirt und Molly hatte auch viel Spaß beim Herumtoben.

Meinen ursprünglichen Plan in den Wäldern rund um Schirnding sammeln zu gehen hatte ich verworfen, eine Entscheidung die sich schon bald als richtig herausstellen sollte. Gleich zu Beginn ging es mit Raufußröhrlingen los, die sich einen sicheren Platz zum Wachsen gesucht hatten:

Einige Pfifferlinge gesellten sich sogleich hinzu und nachdem ich mich von Erika am finalen Startpunkt absetzen ließ, ging es quer durch einen sehr feuchten, moosigen Mischwald, der von gigantischen Kolonien des Grüngelben Gallertkäppchen überzogen war. Wohin man auch blickte standen hunderte dieser Pilze (Archivfoto):

Ich bewegte mich langsam den Abhang hinab, um an einer bestimmten Stelle nachzusehen, ob sich denn so langsam mal eine Krause Glucke bildet. Im vergangenen Jahr hatte ich dort ein 3,8 Kilogramm-Monster gefunden, doch in diesem Jahr will diese Stelle nicht so recht. Auf dem Weg dorthin lief mir Molly dann „davon“, blieb in einem größeren Abstand sitzen und wartete auf mich. Als ich näher kam war die Freude groß:

Man beachte ihren „fröhlichen“ Gesichtsausdruck 😉

Natürlich freut man sich über so einen Fund sehr, aber wieso muss man solch schwere Pilze immer zu Beginn einer Pilztour finden? War aber auch zu erwarten, denn ich hatte heute das Gefühl, dass genau so etwas passieren würde und wollte Erika eigentlich noch bitten, dass sie kurz wartet für den Fall, dass ich eine Krause Glucke finde und sie diese dann gleich mit nach hause nehmen könnte. Man sollte immer auf sein Bauchgefühl hören…

Es ging dann schnurstracks zurück zur asphaltierten Waldstraße, um in einen anderen Abschnitt zu gelangen. Dort fand ich einen Schirmpilz, den ich noch nicht hundertprozentig bestimmt habe, aber mit sehr großer Wahrscheinlichkeit ist es ein persönlicher (bewusster) Erstfund, nämlich der Safranschirmling (Chlorophyllum rhacodes). Leider waren die örtlichen Verhältnisse so ungünstig, dass ich keinerlei Möglichkeit hatte ein Bild am Standort aufzunehmen. Aber ein Foto von vertrockneten Riesenexemplaren des Hallimasch konnte ich dort auf Distanz einfangen:

Auch fand ich in dort ein schönes Exemplar des Schönfußröhrling, dass ich mit der Linse einfing:

Im unmittelbaren Umkreis fanden sich zahlreiche Rotfußröhrlinge und hier erntete ich wirklich nur die jüngsten, kleinsten Exemplare, die man geputzt und einmal halbiert direkt konservieren kann. Es gesellten sich Maronenröhrlinge hinzu, zahlreiche Perlpilze und hätte ich gewollt, wäre ich mehreren Kilogramm Trompetenpfifferlingen heimgegangen, denn diese Gattung wächst derzeit wie Unkraut soweit das Auge reicht. Ergänzend zu diesen Funden stieß ich auf Kuhröhrlinge, einen flockenstieligen Hexenröhrling, einige Lärchenröhrlinge, Mohrenkopfmilchlinge, Schafporlinge (ebenfalls in großen Kolonien zu finden), den großen Schmierling (Kuhmaul), einen Schwarzschuppigen Birkenröhrling, Violette Lacktrichterlinge, Sandröhrlinge und Flaschenstäublinge.

Die Funde des heutigen Tages im Überblick:

Und hier dann noch einmal alle Fotos des Tages inkl. einiger von Molly als Galerie:

Morgen geht es wieder auf die Piste und dann geht die Jagd weiter. Viel Erfolg an alle Leser bei Ihren Exkursionen und einen schönen Start ins Wochenende.