Tag-Archive for ◊ Erstfund ◊

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• Freitag, August 05th, 2011

Der Plan für den heutigen Tag sah eigentlich ganz anders aus, als letztendlich umgesetzt – aber das ist ein anderes Thema. Wenn es nicht so läuft, wie man es sich vorgestellt hat, muss man eben Alternativen suchen – das habe ich getan, wenn auch… nun gut, das ist eine andere Geschichte.

Molly und ich durchkämmten einen stets sehr ergiebigen Wald, der aufgrund seiner Artenvielfalt und Stille ideal ist, wenn man ganz einfach den Kopf frei und den Korb voll bekommen möchte. Was soll ich sagen? Wir wurden nicht enttäuscht. Nahezu eine Stunde  war ich in einem Bereich von max. 50 x 50 Metern nur am Ernten und Molly wurde das so langsam lästig – alle paar Meter hiess es: Molly! Platz und bleib! Mit großartigem Herumtoben hatte das also recht wenig zu tun und ich war auch häufig gezwungen, sie an den unmöglichsten Stellen verweilen zu lassen, weil die Pilzkolonien überall den Boden großflächig anektiert hatten.

Eigentlich sollte man stets auf seine innere Stimme hören, die mir bereits vor Verlassen des Hauses riet: „…nehm den großen Korb…“, aber aus Gründen der Bequemlichkeit nahm ich nur den kompakten Korb mit, welcher sich schlagartig füllte, so dass ich mir überlegen musste, ob ich den Ausflug nun abbreche oder einfach das Sammeln sein lasse. Ich entschied mich für den besten Kompromiss: nur die besten in den Korb, alles andere blieb ohne Rücksicht auf Verlust zurück.

Die Artenvielfalt nimmt mehr und mehr zu: die ersten Reifpilze zeigen sich, Steinpilze direkt am Wegesrand, Kolonien von Pfifferlingen, Trompetenpfifferlinge, Hexenröhrlinge, Lärchenröhrlinge, Maronenröhrlinge, Rotfußröhrlinge, Sandröhrlinge, Perlpilze, Mohrenkopfmilchlinge, immer mehr Täublingsarten, etc. pp.. Die wirkliche Überraschung folgte aber erst, als wir bereits auf dem Rückweg waren und eine asphaltierte Waldstraße entlang liefen.

Die Steigung war wirklich sehr ermüdend, besonders weil die Kombination aus Regenfällen und anschließendem Sonnenschein eine sehr schwüle, drückende Atmosphäre erzeugt hatte. Neben der Straße, welche nur sehr sporadisch befahren ist, gibt es einen Grünbereich, der mir im letzten Jahr schon einen schönen Fund im September beschert hatte – mein Gefühl täuschte mich nicht und auch heute gab es dort eine sehr schöne Ausbeute… Cantharellus amethysteus alias Amethyst-Pfifferlinge und das in großer Zahl. Hier hiess es dann erst einmal den Korb abstellen, Molly musste wohl oder übel wieder im Platz verharren und ich begann zu ernten.

Nach diesem Fund war der Korb aber wirklich so voll, dass ich abbrechen musste und so endete dieser spontane Abstecher mit einem vollen Korb, einer zufriedenen Molly  und einem etwas weniger frustrierten Ich.

Einige Momentaufnahmen (20 aus 120) des heutigen Tages…

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• Samstag, April 23rd, 2011

Ich wohne ja in Oberfranken, wo der überwiegende Teil der Landschaft mit saurem Boden „gesegnet“ ist. Dazu noch größtenteils Monokulturen und das in Kombination mit den „Hochmooren“ des Mittelgebirges – nicht wirklich gute Voraussetzungen, um Spezies zu finden, die es auf basische Böden abgesehen haben.

Ich glaube ja dennoch, dass es mir gelingen wird in unseren Wäldern Morcheln zu finden und bin eifrig auf Google Maps unterwegs, betrachte mir die Wälder dort von oben, aber werde nur sehr selten fündig, was verheissungsvolle Abschnitte betrifft. In den vergangenen Wochen war dazu noch meine Zeit sehr reduziert, aber ich habe mich damit getröstet, dass es in meiner Region sowieso immer erst deutlich später als anderswo in Deutschland zu fruktifizieren beginnt.

Heute also am Nachmittag, als die Temperaturen ein wunderbar erträgliches Maß gefunden haben auf den Weg in den Wald gemacht, Molly im Schlepptau, Korb blieb zuhause, eine Stofftasche am Mann ist genug.

Mein Fokus ist momentan mehr auf die zahlreichen Rindenhaufen gerichtet, da in den letzten zwei Jahren viele dieser Ansammlungen als Relikt der Forstarbeiten in unseren heimischen Wäldern vorzufinden sind. Erwartungsgemäß war es dann wieder so, dass man ausser vereinzelten Baumpilzen absolut nichts vor die Linse bekam, aber das störte mich nicht weiter – das Wetter war einfach zu herrlich, als dass ich mir davon die Laune verderben lassen hätte. Molly war auch am Herumtollen und so war es dann auch ganz entspannt.

Nach ca. 2 km Fußmarsch sichte ich wieder einige Rindenhaufen – vergeblich. Also, mache ich mich wieder auf, ab in die Gegenrichtung – aber halt. „Der Haufen da hinten… am Ende guckst du dort nicht und dann geht da was und du hast es aus Bequemlichkeit übersehen…“.

Zurück zu diesem Haufen und siehe da: eine winzig kleine Morchel, vermutlich Morchella conica, strahlt mich da an…

Das war für mich wirklich ein bewegender Moment, da sich diese wunderbare Spezies in meinen Breiten so rar macht, dass es wirklich wie die Nadel im Heuhaufen war, diesen einzelnen Fruchtkörper bewundern zu dürfen. Ich schoss dann eine ganze Bildreihe, bevor es weiterging. Wir wanderten noch durch einen sehr sumpfigen Abschnitt, entsprechend toll sah Molly dann auch aus.

Seht mir nach, dass der überwiegende Teil der Fotos Momentaufnahmen des Ausflugs sind – meine Wälder geben im Moment leider nicht mehr her.

Beste Grüße,
Ralf

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• Sonntag, September 19th, 2010

Vor nicht einmal drei, vier Tagen sagte ich zu Erika: „…nur einmal möchte ich auch so ein Glück haben und in einem solchen Feld stehen, dann auf allen Vieren herumkriechen, bis man wirklich nicht mehr kann und der Korb schon überquillt. Wie machen die Leute das, wo suchen die nur? Das muss an unseren Wäldern liegen, die einfach zu monoton hinsichtlich des Baumbestandes sind.“. Nun ja, so kann man sich täuschen, aber dazu später mehr.

Unsere heute vierstündige Tour (aus gutem Grund) begann gegen 13.00 Uhr am „Stammabschnitt für den Sonntag“, den wir seit einigen Wochen bewandern. Bereits zu Beginn gab es einen schönen Auftakt, denn zum ersten Mal in diesem Jahr fand ich ein wunderschönes Exemplar des Grünspanträuschling und hatte so die Gelegenheit das Foto, das ich vor einigen Jahren noch mit einer HP Photosmart Kamera geschossen hatte gegen ein qualitativ hochwertigeres zu ersetzen:

Wir bewegten uns den Hang weiter nach oben und die Röhrlingsfunde fielen sehr sporadisch aus: einige Rotfußröhrlinge, einzelne Pfifferlinge, vereinzelte Birkenrotkappen, viele davon schon einfach zu alt:

Als plötzlich ein Schrei durch den Wald hallt… Molly jaulte zwei Mal auf, Erika rief sie zurück – vergebens. Mir kam die Situation sehr bekannt vor, daher reagierte ich etwas gefasster als damals am Buchbrunnen. Schnell in Richtung des Rufes und den Korb abgestellt. Erika rief mir noch die Info hinterher, dass es ein Reh sei, dem Molly da hinterjagt. Nun gut, einfach in ihre vermutete Richtung hinterher, versuchen mit einer möglichst „gelassen klingenden“ Stimme die Jägerin zurück zu holen und sich bloss nicht aus der Ruhe bringen lassen. Keine Minute später kehrte sie ganz stolz zurück, als wenn nichts gewesen sei, aber der Schreck saß Erika tief in den Knochen. Was war passiert: das Reh stand keine zwei Meter von Erika entfernt, als es davonlief und es für Molly kein Halten mehr gab. Nun gut, auch diese Situation haben wir überstanden…

Den Hang weiter hinauf, einzelne Rotkappen einsammeln, Überreste von vergammelten Steinpilzen entdecken und in Richtung Querweg vorarbeiten. Oben angekommen ging es zum Rotkappen-Wald, der in den letzten Wochen für kontinuierlich gute Ausbeuten bürgte. Erika setzte sich auf den Schreck mit Molly an den Wegesrand, während ich mich durch das Unterholz vorarbeitete. Ein Eindruck dieses Waldabschnitts:

Die ersten Rotkappen ließen nicht lange auf sich warten, zwischendurch sah ich riesige Exemplare stehen, die aber wie gewohnt am Standort verblieben.

Als ich mich so langsam in Richtung „Ausgang“ begeben will, finde ich diesen schönen Gesellen, von dem ich noch nicht hundertprozentig überzeugt bin, in welche Gattung ich ihn stecken soll. Mit Sicherheit Leccinum (Raufußröhrling), wahrscheinlich Schwarzschuppiger Birkenröhrling, aber irgendwie erscheint mir die gesamte Färbung zu dunkel. Nachtrag: es handelt sich um den Schwärzenden Birkenpilz (Leccinum melaneum) – ein weiterer Erstfund. Auf jeden Fall war er wunderschön anzusehen:

Hier habe ich dann auch eine Dreier-Gruppe Rotkappen entdeckt, die vermeintlich auf den ersten Blick nur aus einer bestand.

Die anderen zwei waren unter den Blättern gewachsen, wirklich wuchtig und massiv und aufgrund der fehlenden Sonneneinstrahlung war eine davon zum „Albino“ mutiert:

Erika hatte in der Zwischenzeit am Wegesrand diesen schönen Steinpilz entdeckt

und nun ging es abseits des Weges quer durch den lichten Wald, wieder einen Hang nach oben, wo in der letzten Woche einige Steinpilze und ein riesiger, zertretener Milchbrätling auf mich wartete. Zwar fanden wir einen Steinpilz, aber keine Milchbrätlinge und so bewegten wir uns zur nächsten Stelle. Hier ebenfalls kein Erfolg, so ging es dann in Richtung Auto, denn der Marsch zurück dauert im Regelfall noch eine gute halbe Stunde. Der Korb war angenehm gefüllt, daher hatten wir eigentlich auch genug.

Zwischendurch habe ich noch einen Abstecher in ein Mischwäldchen gemacht, dass aus jungen Birken, Buchen, Fichten und Kiefern besteht, sehr moosig bewachsen ist und die Feuchtigkeit gut hält. Dort stieß ich dann auf eine weitere Birkenrotkappe und… ein Milchbrätling! Perfekt! Hatte ich mir doch vorgenommen meinem Vater heute welche vorbeizubringen, am besten noch frische Exemplare zu den von gestern.

Am Rand des Weges habe ich diese schön in Reih und Glied gewachsenen Pfifferlinge gefunden:

Weiter ging es und nach diesem Glückstreffer hatte ich ein gutes Gefühl, dass man vielleicht gleich noch einmal in den Wald links des Weges sehen und Glück haben könnte – leider war dem nicht so… aber ich stand in einem Abschnitt, wo mir zum ersten Mal wirklich der Atem stockte. So ganz traute ich meinen Augen zunächst nicht, denn die Größe der vorgefundenen Pilze passte keineswegs zu dem Bild, dass ich für gewöhnlich davon kenne – sie waren einfach zu groß. Und ich sah mich um, entdeckte die nächste Gruppe, das nächste Büschel und so setzte es sich schier endlos fort. Alles stand voll mit Herbsttrompeten!!! In Mengen, wie ich es noch niemals erlebt habe. Ich stellte den Korb ab, ging raus auf den Weg und sagte zu Erika nur: okay, jetzt ist mein Wunsch in Erfüllung gegangen, komm einfach mal mit. Sie wusste natürlich erst mal nicht, wovon ich spreche und ich präsentierte ihr zunächst diese wunderschönen Exemplare, bevor ich ihr den gesamten Umkreis aufzeigte:

Zunächst unterstützte mich Erika bei der Ernte, aber mir war nach dem Schreck zu Beginn des Ausflugs nicht so wohl beim Gedanken, dass Molly einfach alleine im Platz verharrend auf dem Weg sitzt – die Vorahnung war richtig: keine Minute später läuft eine Dame mit Dackel vorbei und man weiss ja nie, was der Jägerin an einem solchen Tag durch den Kopf geht. Erika putzte also zwischenzeitlich vor, während ich weiter durch den Abschnitt kroch und sammelte.

Das Ergebnis: ein Korb voll Herbsttrompeten zu dem bereits mit Röhrlingen gefüllten anderen Korb 😉

Zuhause angekommen habe ich dann ein Vorher-Nachher-Bild aufgenommen:

Die gesamte Ausbeute unserer Tour setzt sich so zusammen:

Ein wirklich genialer Pilzsonntag neigt sich seinem Ende zu – natürlich nur bildlich gesprochen. In der Realität ist nun erst einmal viiiiiiiiiiel Putzarbeit angesagt, wobei es sich bei den Totentrompeten ja in Grenzen hält. Und dann machen wir uns noch Gedanken, was wir uns noch kochen werden, denn so eine frische Mahlzeit mit diesen, wie die Franzosen gerne sagen, „Trüffeln des kleinen Mannes“ ist sicher nicht zu verachten.

Hier noch einige Bilder mehr als komfortable Galerie zum Durchklicken… einen guten Start in die neue Woche und das nächste Wochenende kommt bestimmt.