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• Samstag, Oktober 01st, 2011

Ich liebe diese echten Samstage, die sind so entspannend. Und nicht den falschen Samstag, der mich fast meinen Job gekostet hätte! [Zitat: Homer J. Simpson]

Und so wie Homer liebe auch ich diese echten Samstage, die inzwischen zu einem echten Ritual geworden sind. Bepackt mit der auf die Bedürfnisse angepassten Ausrüstung (Korb, Messer, Zweitmesser, Kamera, Zweitobjektiv, GPS-Logger, Mobiltelefon, Proviant und Wasser für Mann und Hund, Schokolade, Tabakbeutel, Feuerzeug, etc. pp.) geht es meist gegen Mittag los, da sich die Dämmerung schon gegen 18.30 Uhr einstellt und so eine Samstags-Tour durchaus 5-6 Stunden dauern kann, wie es die letzten Wochen gezeigt haben.

Entgegen der bisherigen Gewohnheit ging Erika mit Dita ein Stück des Weges mit, um sich dann zu verabschieden – das nahm uns Molly aber krumm. Es blieb mir also nichts anderes übrig, als Erika noch einmal anzurufen und um Rückkehr zu bitten. Molly hatte die Situation wohl so verstanden, dass das Frauchen samt Schwesterherz in eine andere Richtung läuft und wir uns entgegengesetzt dazu bewegen – unverzeihlich. Also, zurück zum Ausgangspunkt, ins Auto steigen, Motor kurz an, eine Kehrtwende und dann aussteigen und regulär verabschieden. Da war die Welt dann auch wieder im Lot, denn Molly ist wie ich auch ein absoluter Gewohnheitsfanatiker – keine Veränderung bitte.

Also, zweiter Versuch und nun die verpasste Zeit wieder reinholen und mit zackigem Schritt ab in den Wald. Die ersten Funde ließen nicht lange auf sich warten, denn wo ich Schnittreste großer Steinpilze entdecke, hat der Sammler vor mir meist etwas übersehen – so auch in diesem Fall. Ein gigantischer, Pokal-großer Steinpilz, der tatsächlich außer einigem Schneckenfraß absolut perfekt war. Der Korb war bereits mit diesem Pilz sehr ausgefüllt und das zu Beginn der Tour…

Es ging steil bergauf in Richtung der Totentrompeten-Stelle, wo noch einige Nachzügler zu finden waren – vermutlich die letzte Ernte des Jahres. Hinter uns hörte ich dann plötzlich Stimmen: Frau mit Kind. Also schnell auf den Weg gemacht, denn so gerne ich auch andere Menschen um mich herum habe, möchte ich im Wald dennoch die Zeit ausschließlich mit Molly genießen und mich aus dem Alltag ausklinken. Auf der Kuppe angekommen ging es auf einen parallel verlaufenden Weg wieder abwärts, der weitere Steinpilze mit sich brachte. Diese Taktik hat sich in den letzten Wochen bewährt, selbst wenn es einen großen Aufwand darstellt, das Waldstück auf diese Weise zu durchkämmen.

Wir begaben uns nun in Richtung des Rotkappen-Waldes, da sich trotz trockener Witterung die Meldungen von Raufuß-Funden in den letzten Tagen im Forum gehäuft hatten. Auf dem Weg dorthin fanden sich einige Exemplare des Boletus edulis (Fichtensteinpilz), die mitten aus dem Weg wuchsen und als multiple Persönlichkeit mehrere in sich verwachsene Fruchtkörper gebildet hatten. Weiterhin fanden sich auf diesem Weg auch einige Boletus luridiformis (Flockenstielige Hexenröhrlinge), die trotz ihrer Größe sehr fest, schneckenfraß- und madenfrei waren.

Im Rotkappen-Wald war uns dann das Glück ebenfalls hold, wenngleich viele Exemplare bereits so gigantisch waren, dass ich sie um keinen Preis in einer Pilzmahlzeit haben möchte – eindrucksvoll waren sie dennoch. Als ich in dem dichten Wald gerade am Fotografieren bin, springt Molly aus dem Platz in den Sitz und starrt in die Ferne. Das ist für mich immer ein klares Warnsignal, dass ich auch sehr ernst nehme. Plötzlich raschelte es recht laut aus unbestimmbarer Richtung und Distanz – wahrlich kein angenehmes Gefühl. Ob da im nächsten Moment ein Rehbock angesprungen kommt oder doch eine Wildschwein-Rotte weiss man ja nicht. Ein Klaps auf Mollys rechte Seite und dazu das Bark-Kommando und sie ließ einen tiefen, lauten Beller durch den Wald hallen. Nach dem dritten Laut machte sich das unbestimmte Tier dann aus dem Staub und ich war sehr froh, dass ich meine treue Begleiterin bei mir hatte.

Nach diesem Schreck verließen wir den Abschnitt hinaus auf dem Weg und machten erst einmal Brotzeit. Auch das ist so ein Ritual, dass wir beide sehr genießen, denn wer lang läuft, muss auch gut essen.

Der Weg führte uns dann weiter und längs des Graswegs wuchsen unter kleinen Fichten Steinpilze, die ich fast übersehen hätte. Auch hier durfte ich meinen Korb weiter füllen. Nachdem der Korb zu diesem Zeitpunkt bereits so voll und schwer war, dass mir mein Arm langsam aber sicher schmerzte, beschloss ich den heutigen Ausflug nach fast fünf Stunden ausklingen zu lassen und lief mit Molly in Richtung Schirnding weiter, wo uns Erika mit Dita vom vereinbarten Treffpunkt abholte.

Morgen werden wir erst einmal eine Pause einlegen, aber den Feiertag am Montag werden wir nutzen, um uns zusammen auf den Weg zu machen – im Viererpack findet sich mehr und es macht auch mehr Spaß.

Die Fotos des heutigen Tages als Galerie zum Durchklicken…

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• Samstag, September 10th, 2011

Unser extrem langer Samstags-Ausflug ging also in die dritte Runde und so langsam etabliert es sich zur festen Gewohnheit. Warum? Die Wälder sind dort sehr unberührt, was es zwar zum einen wesentlich anstrengender macht, da Stolpern über querliegende Stämme, Weg bannen durch Gestrüpp und kriechen durch nahezu undurchdringliches Unterholz auf dem Programm steht (meine Arme singen ein Lied davon), aber zum anderen findet man eigentlich immer etwas – wenn man sich nicht nur auf Steinpilz & Co. fokussiert.

Da wir bei dieser Tour einen sehr weiten Weg zurücklegen, geht es immer schon zwischen 11 und 12 Uhr los, den Rucksack mit Proviant, Erste-Hilfe-Set und Wasser für uns beide gepackt und das obligarotische sonstige Equipment (Kamera, SD-Karten, Ersatzakku, Fernauslöser, GPS-Einheit, etc.) am Mann.

In diesen Abschnitten hatte der Regen der Vortage die Chance seine Wirkung zu entfalten, was meine Schuhe auf den grasbewachsenen Wegen gleich zu Beginn zu spüren bekamen. Boletaceae (Röhrlinge) zeigen sich von den bisherigen Regenmengen noch sichtlich unbeeindruckt und so fanden sich zunächst nur einige wenige Cantharellus cibarius (Pfifferling), bevor ich mit Molly unseren Spezial-Totentrompeten-Fleck aufsuchte. Ein erfolgreiches Unterfangen, denn es hatten sich erneut weitere Fruchtkörper gebildet, wenn auch deutlich weniger als noch vor einer Woche. Entweder bedeutet dies das Ende der Kraterellen in dieser Pilzsaison oder sie benötigen einfach noch ein wenig Zeit und weitere Regengüsse, bevor sie noch einmal richtig loslegen.

Wir machten uns dann auf den Weg in einen anderen Abschnitt und bevor wir den Weg bergauf in diese Richtung begingen, sah ich in einem zwischen zwei Wegen liegenden Laubwaldbereich einen Baumstumpf, der mit einem Pilz bewachsen war. Er stellte sich als Paxillus atrotomentosus (Samtfußkrempling) heraus, aber ganz in der Nähe wuchsen sehr interessante Pilze, die einen Baumstumpf besiedelten:

Eine Vermutung habe ich schon, was das sein könnte, ein Nachtrag diesbezüglich wird noch folgen.

Auf dem Weg zu unserem abgelegenen Raufußröhrlings-Wald dann doch eine Überraschung: mitten auf dem Weg, exakt an der selben Stelle wie vor einem Jahr, fand sich ein Boletus edulis (Fichtensteinpilz), der keck seinen Hut herausstreckte:

Ganz in der Nähe stand noch ein großes Exemplar, welches sich aber bereits dem natürlichen Ende seines Daseins näherte – somit also nur noch als Sporenschleuder zu gebrauchen.

Gefundene Exemplare des Lactarius volemus (Milchbrätling) hatten die heftigen Temperaturen gefolgt von starken Regenschauern nicht so gut überstanden, denn entweder waren die Stiele durchsetzt von Maden oder der gesamte Fruchtkörper vollständig durchnässt – ebenfalls nur noch zur Verbreitung des Sporenmaterials zu gebrauchen.

Im Rotkappen-Wald ein ähnliches Bild: alte Exemplare, die bereits im Zerfall begriffen waren, aber zur Überraschung dann zwei durch und durch akzeptable Brätlinge auf Laub nahe Buche und Birke. Besonders interessant gestaltet es sich in diesem Wald, wenn man auf große Distanz eine Rotkappe leuchten sieht – das sieht ungefähr so aus (leider sehr unscharf):

Der Weg durch dieses Labyrinth, Molly an der Leine vor mir, meist eifrig ziehend, ist oftmals ein wahrer Spießrutenlauf, bei dem ich sehr achtgeben muss, um nicht von quer abstehenden Ästen aufgespießt zu werden. Dafür fand sich dann noch eine junge Schwarzschuppige Rotkappe als Belohnung für die Strapazen.

Molly beobachtete einstweilen die Umgebung, was mir immer ein Gefühl von Sicherheit gibt, um nicht doch eines Tages in diesem dichten Unterholz von einem Rudel berserkender Wildschweine überrascht zu werden. Den kleinsten Laut, die kleinste Regung um uns herum registriert sie und zeigt es lautlos in Bordercollie-Manier durch ein Klappen des Kiefers an.

Aus diesem Abschnitt heraus, den selben Weg zurücklaufend, kamen wir dann an diesem wohl beim Hinweg übersehenen Boletus luridiformis (Flockenstieliger Hexenröhrling) vorbei:

Unser Weg führte weiter in Richtung Schirnding , dem Ort an der Grenze zur Tschechischen Republik, in dem ich aufwuchs und dessen Wälder mich an meine Kindheit erinnern. Natürlich macht auch vor ihnen die Forstwirtschaft nicht Halt, doch sind die Waldabschnitte hier so weitläufig, dass es einem nicht so sehr auffällt – zumindest scheint der Harvester-Einsatz hier etwas durchdachter stattzufinden und so hält sich die Anzahl der Schlammwüsten in Grenzen.

Entlang des Weges zeichnete sich bereits auf große Distanz dieses Bild ab:

Ich hatte es ja eigentlich schon erwartet, aber exakt an der selben Stelle wie vor zwei Wochen schon einmal einen so schönen Pilz zu finden, ist trotzdem etwas besonderes. Zudem sie so offen am Wegesrand stand, dass man sie nicht übersehen konnte.

Molly durfte dann ein kurzes, aber sicher erfrischendes Bad nehmen, was mir bei den mittlerweile gestiegenen Temperaturen auch gut ins Konzept gepasst hätte:

Auf große Distanz sah ich dann etwas aus dem Wald herausleuchten und es gab für uns nur zwei Optionen: die Neugier nicht siegen lassen oder durch ein Feld von Brennnesseln laufen. Es war ja klar, dass nur Option 2 in Frage kam. Wir wurden aber auch für unsere Hartnäckigkeit belohnt, denn dieser Lactarius volemus (Milchbrätling) war Nummer 3 des Tages:

Nun näherten wir uns auch schon dem verabredeten Treffpunkt, an dem uns Erika und Dita wieder abholen sollten. Der Akku meiner GPS-Einheit hatte leider schon kapituliert, aber da ich die Strecke aus den Aufzeichnungen der letzten Wochen bereits kenne, kann ich als zurückgelegte Distanz die 6-Kilometer-Marke angeben und die insgesamt vier Stunden Dauer unseres Ausflugs waren ein voller Erfolg – auch wenn der Korb derzeit nicht so voll wird, wie man es aus dem rekordverdächtigen Pilzjahr 2010 noch in Erinnerung hat.

Zuhause angekommen wurde dann noch mit Dita im Garten getobt, weil sie ja (noch) nicht mit auf die langen Ausflüge darf und dann eben so ihre Aufmerksamkeit bekommt.

Hier die Fotos des heutigen Tages als Galerie zu Durchklicken…

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• Samstag, September 03rd, 2011

Ganz der neuen Tradition der Vorwoche folgend, habe ich mich mit Molly wieder auf einen Gewaltmarsch begeben. Der Unterschied zur letzten Woche bestand aber darin, dass die Temperaturen deutlich höher, das Klima unangenehm drückend und das festgelegte Zeitfenster enger gesteckt war. Bei den derzeitigen Witterungsverhältnissen ist jeder Fund ein wahrer Glückstreffer, denn die Böden sind staubtrocken und selbst die bislang vielzählig vorhandenen Pfifferlinge machen sich rar.

Los ging es in der Mittagsstunde von Oschwitz aus in Richtung Schirnding, denn die Wälder sind dort sehr weitläufig und bisher begegneten wir auf diesen Ausflügen keiner Menschenseele – man geht ja auch nicht zum gemütlichen Plausch in den Wald.

Zu Beginn unserer Tour kamen wir an einem Baum mit saftig roten Wildäpfeln vorbei, von denen ich uns einige als Proviant einpackte. Entgegen der Erwartung waren sie wunderbar süß, woran die Sonnenstunden der letzten Wochen sicher nicht unbeteiligt waren. Die Sonne brannte auf uns herunter und ich hielt es für eine gute Idee, die Chance beim Schopf zu packen und Molly ein kurzes Bad in den umliegenden Gewässern zu gönnen.

Unsere ersten Pilzfunde ließen heute etwas länger auf sich warten und den Auftakt bildete (wie sollte es auch anders sein) Cantharellus cibarius (Pfifferling). Die Sonne hatte den Pilzen aber schon deutlich zugesetzt und so wanderten nur einige wenige Exemplare in den Korb. An der nächsten Weggabelung sah ich an einem Hangabschnitt einige Birken zwischen den Nadelbäumen stehen, Anlass genug, einfach mal einen Blick dort hineinzuwerfen. Hier fand sich ein einsamer Leccinum scabrum (Birkenröhrling), der den hohen Temperaturen eisern trotzte.

Da wir unsere Strecke heute von der „Gegenseite“ aus antraten, gelangten wir nun erst zum Spezialfleck, an dem sich in den letzten Wochen Craterellus cornucopioides (Herbsttrompete/Totentrompete) gerne sehen ließ. Auch heute wurden wir nicht enttäuscht, binnen einer Woche hatten sich bereits wieder neue Fruchtkörper gebildet.

Nun ging es querfeldein weiter, durch einen meiner liebsten Abschnitte, der sich aus ganz jungen Birken, Buchen, großgewachsenen Fichten und Kiefern und einer dichten Gras-Moos-Decke zusammensetzt. Hier fand sich ein einsamer Boletus edulis (Fichtensteinpilz), wo ich eigentlich Lactarius volemus (Milchbrätling) erwartet hätte. Von Birkenpilzen und Rotkappen keine Spur, denn die warten vermutlich auf die nächsten Regenschauer. Auf dem Weg zum nächsten Abschnitt fand sich der erste, verdorrte Milchbrätling und einige Meter weiter Boletus luridiformis (Flockenstieliger Hexenröhrling).

Selbst dort, wo sich im letzten Jahr ein Raufußröhrling an den nächsten reihte, war heute lediglich ein vereinzeltes Exemplar der Art Leccinum testaceoscabrum (Birkenrotkappe) zu finden und sonst nichts – absolut nichts. Also zurück auf den Weg, weiter in Richtung des Hauptwegs, denn dort fanden sich in der letzten Woche zahlreiche Pfifferlinge und Milchbrätlinge und die Hoffnung stirbt bekanntermaßen zuletzt. Die Suche nach dem Milchbrätling war dann doch noch von Erfolg gekrönt, zwei junge Exemplare lachten mich vom Wegesrand aus an, wo ich wenige Meter vorher schon eine junge Birkenrotkappe fand.

Weiter ging es in Richtung des vereinbarten Treffpunkts, an dem uns Erika später abholen sollte. Mein GPS, das ich zur Aufzeichnung meiner Strecken und Wegpunkte nutze,  hatte bereits kapituliert, denn die hohen Temperaturen sind der Laufzeit batteriegestützter Geräte nicht zuträglich. Mehr aus Zufall entdeckte ich entlang dieses Weges eine Stelle, an der sich ebenfalls Totentrompeten angesiedelt hatten – leider durch die unmittelbare Sonneneinstrahlung bereits im Zerfallstadium, aber für zukünftige Touren ein guter Anlaufpunkt.

Einen Augenmerk richtete ich heute auch auf die Gattung Russula (Täublinge), denn einige Fundstücke kamen mir bekannt vor. Da sich diese Gattung aber aus zahlreichen Arten zusammensetzt, taste ich mir erst einmal langsam an dieses Themengebiet heran.

Ein Teilabschnitt unserer heutigen Strecke stellte sich so dar (zur Vergrößerung mit der linken Maustaste anklicken)

und nach fast vier Stunden und sieben zurückgelegten Kilometern erreichten wir den Zielpunkt, an dem uns Erika mit Dita abholte.

Selbst wenn sich die Funde derzeit eher im „überschaubaren Rahmen“ bewegen, sind die Ausflüge und Impressionen unersetzbar. In solchen Momenten freue ich mich immer wieder, dass ich das Glück habe, in einer so schönen Region leben zu dürfen.

Einige Aufnahmen des heutigen Tages als Galerie…