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• Samstag, August 13th, 2011

Das Klima spielt verrückt – das ist ja nichts Neues. Aber wenn Herbstarten bereits Mitte August Einzug in den Wäldern halten, dann passt irgendwas gar nicht mehr.

Unser Ausflug begann, bedingt durch einige logistische Probleme, erst gegen 15 Uhr, denn Erika war Beifahrerin bei einem Möbeltransport, Swen fuhr den LKW und so musste ich erst einmal jemanden mit geeignetem Fahrzeug auftun – nicht allen gefällt die Idee, dass ein Hund im Auto mitfahren soll. Mein Freund Werner übernahm diesen Job dann und brachte uns in ein Waldstück, dass ich heute in Augenschein nehmen wollte. Im Gegenzug versprach ich ihm einen schönen Schwung Perlpilze – und ich hatte den Mund nicht zu voll genommen, denn sie wachsen momentan wirklich überall, an den unmöglichsten Stellen steht Amanita rubescens und strahlt den Suchenden an.

Die Röhrlinge, ausser den Sandröhrlingen, halten sich momentan zurück und es finden sich lediglich verschimmelte, zerfallene Maronenröhrlinge, einige Kuhröhrlinge und Pfefferröhrlinge. Umso größer war die Überraschung, dass ich einige Boleten fand: ein schöner Boletus edulis (Fichtensteinpilz), ein Boletus pinophilus (Kiefernsteinpilz), der unter der Wurzel einer Buche herauswuchs (es standen zahlreiche Kiefern in der Nähe) und einige bereits zerfallene Steinpilze, bei denen es sich vermutlich ebenfalls um Boletus edulis handelte.

An gewohnter Stelle fanden sich die ersten Totentrompeten – moment mal, im August? Ja, das scheint in der Pilzsaison 2011 nichts besonderes zu sein, denn Caro aus dem Schwammer-Forum hatte ebenfalls in den letzten Tagen die ersten Exemplare gesichtet. Ein derzeit häufiger Geselle ist Lactarius volemus (Milchbrätling), den ich bei den Ausflügen der letzten drei Tage stets fand. In diesem Jahr passt also gar nichts zusammen.

Beim Durchstreifen eines Mischwaldes, der sich aus Rotbuchen, jungen Eichen, Kiefern und Fichten zusammensetzt, entdeckte ich ganze Kolonien von Cantharellus tubaeformis (Trompetenpfifferling) und ganz in der Nähe befand sich ein Feld von Laccaria amethystea (Violetter Lacktrichterling). Also war Fleißarbeit angesagt, um die kleinen Fruchtkörper zu ernten – Molly saß in der Zwischenzeit in der Nähe und beobachtete die Umgebung, damit uns keine unliebsame Überraschung (a la Dobermann-Story) ereilt.

Mehr aus Zufall entdeckte ich an einem Baumstumpf in einem durch Forstarbeiten „aufgeräumten“ Gebiet den ersten Hallimasch – nach meinen Erfahrungswerten ebenfalls zu früh, denn für gewöhnlich finde ich Hallimasch immer erst Anfang September. Dies hängt vermutlich damit zusammen, dass die Temperaturen in diesem Sommer deutlich unter den üblichen Durchschnittswerten liegen, was das Mycel mancher Arten eben früher zur Fruktifikation anregt – das Mycel „denkt“ also, es sei bereits Herbst.

Wir waren heute fast fünf Stunden unterwegs, legten dabei annähernd sieben Kilometer zurück und machten gute Beute. Selbst wenn sich die gewohnten Arten in diesem Jahr rar machen, bin ich mit dem Resultat zufrieden. Es muss nicht immer Steinpilz sein…

Die schönsten Aufnahmen des heutigen Tages als komfortable Galerie zum Durchklicken…

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