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• Sonntag, August 21st, 2011

Heute war also Ditas großer Tag, denn sie durfte zum ersten Mal mit in den Wald, weshalb wir uns für ein ruhiges Gebiet entschieden, das weit abseits liegt.

Bereits nach einigen Metern lachte es mich von einer Anhöhe herab gelb an – eine große Pfifferlings-Kolonie, die meine Kletterkünste auf die Probe stellte. Es ist gar nicht so leicht in Schräglage am Abhang stehend das Gleichgewicht so zu halten, so dass man nicht abrutscht oder der Korb den Berg herunterpurzelt. Nun war also zu Beginn der Tour der Korb schon gut gefüllt und da ich einen bestimmten Abschnitt besuchen wollte, überlegte ich mir wie ich die Pfifferlinge am geschicktesten „schlichte“, um genug Platz im Korb zu schaffen.

Vor ziemlich genau einem Jahr (22.08.2010) waren wir zum ersten Mal in diesem Gebiet unterwegs und fanden dort Birkenrotkappen, Steinpilze, Milchbrätlinge und vor allen Dingen Herbsttrompeten in großer Zahl. Wie ich in einem vorangegangenen Beitrag bereits schrieb, wachsen an meiner „Indikatorstelle“ in den Wäldern rund um Selb bereits die Herbsttrompeten – daher lag die Vermutung nahe, dass wir auch hier auf diese Art stoßen könnten. Und wie sollte es anders sein: exakt an der selben Stelle wie im Vorjahr stand ein ganzes Feld von Herbsttrompeten. Nun hieß es „die Ernte kann beginnen“, da wir aber nur einen Korb dabei hatten, musste ich ein wenig improvisieren. Also nahm ich die Papiertüte zur Hand, die ich eingepackt hatte und die Trompeten mussten darin Vorlieb nehmen.

Im altbewährten Rotkappen-Abschnitt sah es mit Leccinum sehr mager aus: drei Birkenrotkappen auf große Fläche verteilt. Umso erfreulicher und etwas verwunderlich stimmend waren aber andere Funde: Lactarius volemus (Milchbrätling) mitten im dichtesten Laubwald. Die Exemplare waren größtenteils ganz frisch und mussten erst in den letzten zwei, drei Tagen gewachsen sein. Insgesamt fanden sich während dieses Ausflugs 20 Exemplare und so konnte ich im Anschluss bei meinem Großvater vorbeifahren, um ihn mit seinen Lieblingspilzen zu überraschen.

Ein weiterer besonderer Fund war an einer Stelle zu machen, an der ich eigentlich Steinpilze vermutete. Auf der Suche nach Boletus edulis suchte ich einen Rotbuchen-Abschnitt ab und entdeckte plötzlich weiße Pilze, die ich zunächst auf Distanz nicht bestimmen konnte. Eine genauere Untersuchung eines Fruchtkörpers ergab den bekannten „Oh!“-Effekt mit offenstehendem Mund: Suillus placidus! Der äußerst seltene Elfenbeinröhrling hat sich nun also auch in diesem Wald angesiedelt. Ursprünglich aus Nordamerika stammend und vermutlich durch Holzimporte eingeschleppt, wächst diese Art stets in der Nähe von Kiefern (Weymouthskiefer, Zirbelkiefer). Aber auch in den Alpen kommt er relativ häufig vor, wohingegen der Fund dieser Art in unserer Region ein eher seltener Glückstreffer ist.

Als wir bereits auf dem Rückweg waren, kamen wir an einer Stelle vorbei, die im letzten Jahr einige Pfifferlinge hergab. Heute war es aber noch einen Tick heftiger, denn zunächst konnte ich sie gar nicht entdecken, aber nachdem ich die Heidelbeer-Büsche etwas beiseite schob, standen dort weitere zwanzig Exemplare. Teilweise riesig, teilweise noch klein, aber alle fest und frisch – womit auch heute wieder fast ein Kilogramm feinster Pfifferlinge in den Korb wanderten.

Dita war nach einer fast drei Kilometer langen Tour sichtlich beeindruckt und müde, aber zuhause angekommen, nach einem Schläfchen war die kleine Dame wieder putzmunter, freute sich auf ihr Fressen und tobte danach mit Molly im Garten umher. Ein durchweg gelungener Sonntag mit großartigen Funden. Für mich persönlich ist der Fund der Herbsttrompete etwas ganz besonderes, da wir in der Region überwiegend saure Böden haben, während diese Art basische Böden bevorzugt. Die Entdeckung dieses Flecks war im letzten Jahr für mich der Hauptgewinn, denn davon träumte ich seit langer Zeit. Umso schöner war es deshalb heute festzustellen, dass dort auch in diesem Jahr die Herbsttrompete wieder zu Gast ist.

28 Momentaufnahmen unseres heutigen Ausflugs und der Funde des Tages…

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