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• Dienstag, August 20th, 2019

Wir schreiben den 20. August 2019 und ich gedenke meines Opas Maximilian Rögner, der heute seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte.

Wer hier schon länger mitliest weiss, dass mein Großvater mir bereits in meiner frühesten Kindheit viel über Pilze, Flora und Fauna beibrachte und damit meine Leidenschaft weckte. So habe ich mich heute also gegen 17:00 Uhr auf den Weg in die Wälder begeben, um zu fotografieren, Pilze zu sammeln, über die Zeit nachzudenken und seiner zu gedenken.

Ich habe mich heute, zum ersten Mal seit langer Zeit, in Abschnitte begeben, welche bedingt durch intensive Forstwirtschaft vor einigen Jahren ein Bild des Schreckens boten und sich die Pilzvegetation schlagartig auf wenige, „zähe Arten“ beschränkte. Zwischenzeitlich erkennt man dort, dass sich das Gebiet durch Gräser, Farne und kleine Bäume rekultiviert.

Auch wenn sich die Pilze anfänglich nur sehr sporadisch zeigten, sollte es ein großartiger Ausflug werden. An einem spezifischen Standort, den ich stets unter die Lupe nehme, fanden sich immens viele Birken-Röhrlinge (Leccinum scabrum) in allen Formen und Größen. Zuguterletzt zählte ich etwa 30 verwertbare Exemplare, wo für gewöhnlich immer nur vereinzelte Pilze zu finden sind.

Natürlich fanden sich auch wieder zahlreiche Exemplare des Goldgelben Lärchen-Röhrlings (Suillus grevillei), wie in den letzten Tagen ständig. Vereinzelt sah ich Perlpilze (Amanita rubescens), Kuh-Röhrlinge (Suillus bovinus), Pfeffrige Zwergröhrlinge (Chalciporus piperatus) sowie einzelne Maronen-Röhrlinge (Imleria badia). Ich durchwanderte den gesamten, vertrauten Abschnitt und ging, entgegen sonstiger Gewohnheit, einen schmalen, dicht begrasten Waldweg weiter, um festzustellen wo dieser eigentlich hinführt. Es regnete inzwischen sehr konstant, leichter Nieselregen, was mich aber wenig störte.

Flockenstielige Hexen-Röhrlinge (Neoboletus erythropus) gesellten sich zur Ausbeute dazu, teils überständig (blieben natürlich am Standort zurück), teils sehr junge Exemplare, absolut frisch und madenfrei.

Irgendwann kam ich in ein Gebiet, welches ich vor vielen Jahren regelmäßig bewanderte, welches aber durch die Rodungen teils sehr ausgetrocknet war. Dort bot sich ein gänzlich anderes Bild: Bemooste Wege, Gräser an den Rändern, wunderschön anzusehen. Und dann ging es los mit den Steinpilzen 🙂

Der Gemeine Steinpilz (Boletus edulis) in allen nur denkbaren Variationen: Kleine Exemplare, dickbäuchige Exemplare, groß gewachsene Ausführungen. An einem Standort fanden sich 25 Exemplare dicht an dicht, wohl innerhalb der vergangenen zwei bis drei Tage erst gewachsen.

Ich durchwanderte über zwei Stunden, teils im strömenden Regen, komplett durchnässt bis auf die Knochen, das gesamte Gebiet, fotografierte, genoß die Stille und sammelte Pilze, die meine Wintervorräte auffüllen werden.

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• Sonntag, Juni 09th, 2019

Gestern habe ich zufällig aus dem Augenwinkel beim Vorbeifahren an einem Bahndamm Pilze gesehen. Also hielt ich kurz an, um der Sache auf den Grund zu gehen. Aha, Perlpilze, mitten in der Stadt, schon bereits sehr überständig, aber offensichtlich beginnt die Saison so langsam…

Da ich derzeit meinen Schlaf- und Lebensrhythmus maßgeblich von Nachteule zu Morgenlerche umstelle gab es dann heute bereits um 5:45 Uhr Frühstück, danach bißchen Arbeit am Rechner, mal eben ins Geschäft fahren und dann schnappte ich mir Molly und Dita, um mich bei angenehmen, niedrigen zweistelligen Temperaturen in die Wälder zu begeben.

Wir wurden nicht enttäuscht: Strahlender Sonnenschein, blauer Himmel, milde Temperaturen, ein lauer Wind, die Vögel zwitschern und keine Seele ist da draussen unterwegs – wenn andere Leute zu Spa & Wellness tendieren kann ich immer wieder nur grinsen, denn diese Form von Wellness ist absolut unschlagbar – und gratis 😉

Schon nach wenigen Metern die erste Überraschung: Birken-Rotkappe Leccinum versipelle, Syn.: Leccinum testaceoscabrum nom. nud.), die ich auf den ersten Blick für einen Gemeinen Birkenpilz (Leccinum scabrum, syn. Boletus scaber oder Krombholzia scabra) hielt, da der Hut eine sehr mäßige Färbung aufwies. Es ging steil bergauf, aber auch hier ein positiver Aspekt meines neuen Lebenswandels: Die fast zwei Wochen rauchfrei machen sich deutlich bemerkbar, keine Spur von Kurzatmigkeit 😉

Es folgten diverse Exemplare des Flockenstieligen Hexen-Röhrlings (Neoboletus erythropus, Syn.: Boletus erythropus, N. luridiformis), ansonsten ist es noch vergleichsweise ruhig was die Population und Artenvielfalt betrifft.

Alles in allem ein perfekter Pfingst-Ausflug, die Hunde zufrieden, ich zufrieden und ich werde mir nun erst einmal eine schöne Schwammerbröih kochen und dazu einen Schwung Kartoffeln an den Start schicken 😉

In diesem Sinne Euch allen frohe Pfingsten und eine gute Zeit!

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• Samstag, Oktober 01st, 2011

Ich liebe diese echten Samstage, die sind so entspannend. Und nicht den falschen Samstag, der mich fast meinen Job gekostet hätte! [Zitat: Homer J. Simpson]

Und so wie Homer liebe auch ich diese echten Samstage, die inzwischen zu einem echten Ritual geworden sind. Bepackt mit der auf die Bedürfnisse angepassten Ausrüstung (Korb, Messer, Zweitmesser, Kamera, Zweitobjektiv, GPS-Logger, Mobiltelefon, Proviant und Wasser für Mann und Hund, Schokolade, Tabakbeutel, Feuerzeug, etc. pp.) geht es meist gegen Mittag los, da sich die Dämmerung schon gegen 18.30 Uhr einstellt und so eine Samstags-Tour durchaus 5-6 Stunden dauern kann, wie es die letzten Wochen gezeigt haben.

Entgegen der bisherigen Gewohnheit ging Erika mit Dita ein Stück des Weges mit, um sich dann zu verabschieden – das nahm uns Molly aber krumm. Es blieb mir also nichts anderes übrig, als Erika noch einmal anzurufen und um Rückkehr zu bitten. Molly hatte die Situation wohl so verstanden, dass das Frauchen samt Schwesterherz in eine andere Richtung läuft und wir uns entgegengesetzt dazu bewegen – unverzeihlich. Also, zurück zum Ausgangspunkt, ins Auto steigen, Motor kurz an, eine Kehrtwende und dann aussteigen und regulär verabschieden. Da war die Welt dann auch wieder im Lot, denn Molly ist wie ich auch ein absoluter Gewohnheitsfanatiker – keine Veränderung bitte.

Also, zweiter Versuch und nun die verpasste Zeit wieder reinholen und mit zackigem Schritt ab in den Wald. Die ersten Funde ließen nicht lange auf sich warten, denn wo ich Schnittreste großer Steinpilze entdecke, hat der Sammler vor mir meist etwas übersehen – so auch in diesem Fall. Ein gigantischer, Pokal-großer Steinpilz, der tatsächlich außer einigem Schneckenfraß absolut perfekt war. Der Korb war bereits mit diesem Pilz sehr ausgefüllt und das zu Beginn der Tour…

Es ging steil bergauf in Richtung der Totentrompeten-Stelle, wo noch einige Nachzügler zu finden waren – vermutlich die letzte Ernte des Jahres. Hinter uns hörte ich dann plötzlich Stimmen: Frau mit Kind. Also schnell auf den Weg gemacht, denn so gerne ich auch andere Menschen um mich herum habe, möchte ich im Wald dennoch die Zeit ausschließlich mit Molly genießen und mich aus dem Alltag ausklinken. Auf der Kuppe angekommen ging es auf einen parallel verlaufenden Weg wieder abwärts, der weitere Steinpilze mit sich brachte. Diese Taktik hat sich in den letzten Wochen bewährt, selbst wenn es einen großen Aufwand darstellt, das Waldstück auf diese Weise zu durchkämmen.

Wir begaben uns nun in Richtung des Rotkappen-Waldes, da sich trotz trockener Witterung die Meldungen von Raufuß-Funden in den letzten Tagen im Forum gehäuft hatten. Auf dem Weg dorthin fanden sich einige Exemplare des Boletus edulis (Fichtensteinpilz), die mitten aus dem Weg wuchsen und als multiple Persönlichkeit mehrere in sich verwachsene Fruchtkörper gebildet hatten. Weiterhin fanden sich auf diesem Weg auch einige Boletus luridiformis (Flockenstielige Hexenröhrlinge), die trotz ihrer Größe sehr fest, schneckenfraß- und madenfrei waren.

Im Rotkappen-Wald war uns dann das Glück ebenfalls hold, wenngleich viele Exemplare bereits so gigantisch waren, dass ich sie um keinen Preis in einer Pilzmahlzeit haben möchte – eindrucksvoll waren sie dennoch. Als ich in dem dichten Wald gerade am Fotografieren bin, springt Molly aus dem Platz in den Sitz und starrt in die Ferne. Das ist für mich immer ein klares Warnsignal, dass ich auch sehr ernst nehme. Plötzlich raschelte es recht laut aus unbestimmbarer Richtung und Distanz – wahrlich kein angenehmes Gefühl. Ob da im nächsten Moment ein Rehbock angesprungen kommt oder doch eine Wildschwein-Rotte weiss man ja nicht. Ein Klaps auf Mollys rechte Seite und dazu das Bark-Kommando und sie ließ einen tiefen, lauten Beller durch den Wald hallen. Nach dem dritten Laut machte sich das unbestimmte Tier dann aus dem Staub und ich war sehr froh, dass ich meine treue Begleiterin bei mir hatte.

Nach diesem Schreck verließen wir den Abschnitt hinaus auf dem Weg und machten erst einmal Brotzeit. Auch das ist so ein Ritual, dass wir beide sehr genießen, denn wer lang läuft, muss auch gut essen.

Der Weg führte uns dann weiter und längs des Graswegs wuchsen unter kleinen Fichten Steinpilze, die ich fast übersehen hätte. Auch hier durfte ich meinen Korb weiter füllen. Nachdem der Korb zu diesem Zeitpunkt bereits so voll und schwer war, dass mir mein Arm langsam aber sicher schmerzte, beschloss ich den heutigen Ausflug nach fast fünf Stunden ausklingen zu lassen und lief mit Molly in Richtung Schirnding weiter, wo uns Erika mit Dita vom vereinbarten Treffpunkt abholte.

Morgen werden wir erst einmal eine Pause einlegen, aber den Feiertag am Montag werden wir nutzen, um uns zusammen auf den Weg zu machen – im Viererpack findet sich mehr und es macht auch mehr Spaß.

Die Fotos des heutigen Tages als Galerie zum Durchklicken…