Totgeglaubte leben länger

Noch gestern stelle ich die Theorie in den Raum, dass sich die Röhrlinge bestimmt noch einmal in dieser Saison sehen lassen und schon heute bekomme ich dafür den Beleg. Ein perfekter Sonntagsausflug von fast vier Stunden Dauer liegt hinter uns und wir können uns weder über Wetter noch Funde beschweren – es fühlte sich wie der Beginn eines schönen, milden Herbstes an.

Auf dem Weg zum Wald, der mir in der letzten Woche 29 schöne Rotkappen bescherte, haben sich Erika und ich getrennt – sie ging rechts den Weg hoch, auf dem wir Totentrompeten fanden (diese Woche leider keine neuen Exemplare vorhanden) und ich lief links durch einen unwegsamen Mischwald, der von Birken dominiert wird. Zahlreiche Pfifferlinge, einige Rotkappen und neun schöne Steinpilze entlohnten für diese Strapaze.

Nachdem wir uns oben angekommen wieder trafen, schlugen wir den Weg in Richtung des besagten Rotkappen-Waldes ein. Erika und Molly liefen den Weg ab, sammelten einige flockenstielige Hexenröhrlinge ein

und ich verabschiedete mich ins Dickicht. Vorher noch schnell einen schönen Steinpilz vom Weg eingesammelt:

Nun, was soll ich sagen – auch diese Woche war wieder Erntezeit. Das Wetter hat es gut mit uns gemeint und so wuchsen innerhalb dieser sieben Tage erneut zahlreiche Rotkappen nach. Einige Exemplare, die ich wohl in der vergangenen Woche übersehen hatte, sind zu riesigen Pilzen mutiert, die ich aber zum Aussporen stehen ließ. Hier ein kleiner Eindruck der Dimensionen:

Selbst wenn es sehr mühsam ist, durch dieses Dickicht zu kriechen, so ist es mir den Aufwand wert. Ich habe zwar schon an verschiedenen Stellen gelesen, dass der geschmackliche Wert der Rotkappen eher in Frage gestellt wird, was ich aber so nicht bestätigen kann. Und das feste Fleisch ist mit Sicherheit eine wunderbare Ergänzung in jedem Mischpilzgericht.

Die Funde des heutigen Tages präsentieren sich so:

Das Erstaunliche an den Rotkappen-Funden: auch in dieser Woche waren es wieder exakt 29 Exemplare – scheinbar rationiert der Wald genau passend.

Ein Standard-Feuerzeug als Größenvergleich zu den größten Exemplaren – besonders dieser Perlpilz und die wuchtige Rotkappe sind beeindruckend:

Ich wünsche allen eine erfolgreiche Woche und zum Abschluss gibt es die Bilder noch einmal als Galerie:

4 Comments on “Totgeglaubte leben länger

  1. Sers,

    man, die Seite is der Hammer! Hut ab, Du alter Schwammerer! Ich nehm ja scho viele Sorten mit, wo annere ‚Pfui‘ sagen, aber ich seh scho, es geht mehr. Was machst Du denn mit diesen Unmengen an Schwammern? Trocknen, Einfreisen, verkaufen?

    Gruß,

    Michel

  2. Sers Michel,

    freut mich, dass man sich mal wieder liest – ist ja schon ein ganzes Stück her. Bei meine Schwammer wird je nach Art getrocknet, eingefroren, in Öl eingelegt, zu Salzpilz verarbeitet oder eben direkt frisch verarbeitet. Und nein, kommerzieller Schwammerer bin ich dann noch net geworden. Hauptsächlich geht es mir aber auch um das Fotografieren und Runterkommen von der Woche.

    Grüße,
    Ralf

  3. Ja, schön sich zu lesen nach ~20 Jahren 😉

    Des Runterkommen von der megastressigen Arbeitswoche kenn ich gut, Vollgas bis Freitag nachts, aber es WE is heilig, da fass ich die Arbeit net an – da ich jedoch Haus, Hof, Kinner, Hund, Adler und Schafe habe, komm ich leider eher selten dazu, mal ausgiebig in die Schwammer zu gehn. Dennoch bin ich des Goar ganz zufriedn mit der Ausbeute, der Gefrierschrank is fast voll :-).

    Lebst Du eigtl. noch in Selb?

    Gruß,

    Michel

  4. Wie bereitest Du eigtl. die violetten Lacktrichterlinge zu? Und den Mohrenkopftrichterling ? (den find ich recht häufig, weiß, daß er gut ist, aber leider – da er in meinem gaaanz großen Pilzbuch fehlt – nehm ich ihn nie mit….)

    Kannst Du mir mal bei Gelegenheit einen Tip geben, wo man Milchbrätlinge findet und wie man diese einfach identifiziert? Ich hab glaub ich noch nie einen geshen oder ihn dann für einen kahlen Krempling oder einen braunen Täubling gehalten…..

    Gruß,

    Michel

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