Tag-Archive for ◊ Birkenrotkappe ◊

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• Samstag, September 03rd, 2011

Ganz der neuen Tradition der Vorwoche folgend, habe ich mich mit Molly wieder auf einen Gewaltmarsch begeben. Der Unterschied zur letzten Woche bestand aber darin, dass die Temperaturen deutlich höher, das Klima unangenehm drückend und das festgelegte Zeitfenster enger gesteckt war. Bei den derzeitigen Witterungsverhältnissen ist jeder Fund ein wahrer Glückstreffer, denn die Böden sind staubtrocken und selbst die bislang vielzählig vorhandenen Pfifferlinge machen sich rar.

Los ging es in der Mittagsstunde von Oschwitz aus in Richtung Schirnding, denn die Wälder sind dort sehr weitläufig und bisher begegneten wir auf diesen Ausflügen keiner Menschenseele – man geht ja auch nicht zum gemütlichen Plausch in den Wald.

Zu Beginn unserer Tour kamen wir an einem Baum mit saftig roten Wildäpfeln vorbei, von denen ich uns einige als Proviant einpackte. Entgegen der Erwartung waren sie wunderbar süß, woran die Sonnenstunden der letzten Wochen sicher nicht unbeteiligt waren. Die Sonne brannte auf uns herunter und ich hielt es für eine gute Idee, die Chance beim Schopf zu packen und Molly ein kurzes Bad in den umliegenden Gewässern zu gönnen.

Unsere ersten Pilzfunde ließen heute etwas länger auf sich warten und den Auftakt bildete (wie sollte es auch anders sein) Cantharellus cibarius (Pfifferling). Die Sonne hatte den Pilzen aber schon deutlich zugesetzt und so wanderten nur einige wenige Exemplare in den Korb. An der nächsten Weggabelung sah ich an einem Hangabschnitt einige Birken zwischen den Nadelbäumen stehen, Anlass genug, einfach mal einen Blick dort hineinzuwerfen. Hier fand sich ein einsamer Leccinum scabrum (Birkenröhrling), der den hohen Temperaturen eisern trotzte.

Da wir unsere Strecke heute von der „Gegenseite“ aus antraten, gelangten wir nun erst zum Spezialfleck, an dem sich in den letzten Wochen Craterellus cornucopioides (Herbsttrompete/Totentrompete) gerne sehen ließ. Auch heute wurden wir nicht enttäuscht, binnen einer Woche hatten sich bereits wieder neue Fruchtkörper gebildet.

Nun ging es querfeldein weiter, durch einen meiner liebsten Abschnitte, der sich aus ganz jungen Birken, Buchen, großgewachsenen Fichten und Kiefern und einer dichten Gras-Moos-Decke zusammensetzt. Hier fand sich ein einsamer Boletus edulis (Fichtensteinpilz), wo ich eigentlich Lactarius volemus (Milchbrätling) erwartet hätte. Von Birkenpilzen und Rotkappen keine Spur, denn die warten vermutlich auf die nächsten Regenschauer. Auf dem Weg zum nächsten Abschnitt fand sich der erste, verdorrte Milchbrätling und einige Meter weiter Boletus luridiformis (Flockenstieliger Hexenröhrling).

Selbst dort, wo sich im letzten Jahr ein Raufußröhrling an den nächsten reihte, war heute lediglich ein vereinzeltes Exemplar der Art Leccinum testaceoscabrum (Birkenrotkappe) zu finden und sonst nichts – absolut nichts. Also zurück auf den Weg, weiter in Richtung des Hauptwegs, denn dort fanden sich in der letzten Woche zahlreiche Pfifferlinge und Milchbrätlinge und die Hoffnung stirbt bekanntermaßen zuletzt. Die Suche nach dem Milchbrätling war dann doch noch von Erfolg gekrönt, zwei junge Exemplare lachten mich vom Wegesrand aus an, wo ich wenige Meter vorher schon eine junge Birkenrotkappe fand.

Weiter ging es in Richtung des vereinbarten Treffpunkts, an dem uns Erika später abholen sollte. Mein GPS, das ich zur Aufzeichnung meiner Strecken und Wegpunkte nutze,  hatte bereits kapituliert, denn die hohen Temperaturen sind der Laufzeit batteriegestützter Geräte nicht zuträglich. Mehr aus Zufall entdeckte ich entlang dieses Weges eine Stelle, an der sich ebenfalls Totentrompeten angesiedelt hatten – leider durch die unmittelbare Sonneneinstrahlung bereits im Zerfallstadium, aber für zukünftige Touren ein guter Anlaufpunkt.

Einen Augenmerk richtete ich heute auch auf die Gattung Russula (Täublinge), denn einige Fundstücke kamen mir bekannt vor. Da sich diese Gattung aber aus zahlreichen Arten zusammensetzt, taste ich mir erst einmal langsam an dieses Themengebiet heran.

Ein Teilabschnitt unserer heutigen Strecke stellte sich so dar (zur Vergrößerung mit der linken Maustaste anklicken)

und nach fast vier Stunden und sieben zurückgelegten Kilometern erreichten wir den Zielpunkt, an dem uns Erika mit Dita abholte.

Selbst wenn sich die Funde derzeit eher im „überschaubaren Rahmen“ bewegen, sind die Ausflüge und Impressionen unersetzbar. In solchen Momenten freue ich mich immer wieder, dass ich das Glück habe, in einer so schönen Region leben zu dürfen.

Einige Aufnahmen des heutigen Tages als Galerie…

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• Samstag, August 27th, 2011

Entgegen sonstiger Gewohnheiten habe ich mich heute in ein sonst dem Sonntag vorbehaltenes Waldstück begeben und war dort mit Molly wirklich lange unterwegs. Kaum angekommen begann es zu regnen, aber daran störten wir uns nicht – zumindest so lange, wie es nicht aus Kübeln schüttete, was später noch der Fall war.

Ganz klar: die heftigen Temperaturen im 30° Celsius-Bereich haben meine Hoffnungen auf niedrigem Niveau gehalten, aber in diesem Wald tut sich eigentlich immer etwas. Röhrlinge sind zwar auch dort Mangelware, aber der ein oder andere Raufußröhrling verirrte sich dann doch in meinen Korb.

Was in diesem Jahr besonders auffällig ist: der Milchbrätling findet sich in großer Menge – in den Vorjahren war ich bei meinen Ausflügen froh, wenn ich 1-5 fand. Dieses Jahr sind 20 Stück pro Ausflug keine Seltenheit.

Auch die Herbsttrompeten haben seit letztem Sonntag bereits nachgelegt und so konnte ich wieder einige Exemplare an meiner Spezialstelle finden.

Die Tour führte uns durch endlose Waldabschnitte, wir waren 5 Stunden unterwegs, legten 7,6 km Distanz zurück und neben heftigsten Regenschauern stolperten wir auch über einige Erstfunde – der Hitze der letzten Tage zum Trotz.

Bevor ich nun viel Text verfasse, lasse ich einfach mal die Bilder sprechen…

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• Sonntag, August 21st, 2011

Heute war also Ditas großer Tag, denn sie durfte zum ersten Mal mit in den Wald, weshalb wir uns für ein ruhiges Gebiet entschieden, das weit abseits liegt.

Bereits nach einigen Metern lachte es mich von einer Anhöhe herab gelb an – eine große Pfifferlings-Kolonie, die meine Kletterkünste auf die Probe stellte. Es ist gar nicht so leicht in Schräglage am Abhang stehend das Gleichgewicht so zu halten, so dass man nicht abrutscht oder der Korb den Berg herunterpurzelt. Nun war also zu Beginn der Tour der Korb schon gut gefüllt und da ich einen bestimmten Abschnitt besuchen wollte, überlegte ich mir wie ich die Pfifferlinge am geschicktesten „schlichte“, um genug Platz im Korb zu schaffen.

Vor ziemlich genau einem Jahr (22.08.2010) waren wir zum ersten Mal in diesem Gebiet unterwegs und fanden dort Birkenrotkappen, Steinpilze, Milchbrätlinge und vor allen Dingen Herbsttrompeten in großer Zahl. Wie ich in einem vorangegangenen Beitrag bereits schrieb, wachsen an meiner „Indikatorstelle“ in den Wäldern rund um Selb bereits die Herbsttrompeten – daher lag die Vermutung nahe, dass wir auch hier auf diese Art stoßen könnten. Und wie sollte es anders sein: exakt an der selben Stelle wie im Vorjahr stand ein ganzes Feld von Herbsttrompeten. Nun hieß es „die Ernte kann beginnen“, da wir aber nur einen Korb dabei hatten, musste ich ein wenig improvisieren. Also nahm ich die Papiertüte zur Hand, die ich eingepackt hatte und die Trompeten mussten darin Vorlieb nehmen.

Im altbewährten Rotkappen-Abschnitt sah es mit Leccinum sehr mager aus: drei Birkenrotkappen auf große Fläche verteilt. Umso erfreulicher und etwas verwunderlich stimmend waren aber andere Funde: Lactarius volemus (Milchbrätling) mitten im dichtesten Laubwald. Die Exemplare waren größtenteils ganz frisch und mussten erst in den letzten zwei, drei Tagen gewachsen sein. Insgesamt fanden sich während dieses Ausflugs 20 Exemplare und so konnte ich im Anschluss bei meinem Großvater vorbeifahren, um ihn mit seinen Lieblingspilzen zu überraschen.

Ein weiterer besonderer Fund war an einer Stelle zu machen, an der ich eigentlich Steinpilze vermutete. Auf der Suche nach Boletus edulis suchte ich einen Rotbuchen-Abschnitt ab und entdeckte plötzlich weiße Pilze, die ich zunächst auf Distanz nicht bestimmen konnte. Eine genauere Untersuchung eines Fruchtkörpers ergab den bekannten „Oh!“-Effekt mit offenstehendem Mund: Suillus placidus! Der äußerst seltene Elfenbeinröhrling hat sich nun also auch in diesem Wald angesiedelt. Ursprünglich aus Nordamerika stammend und vermutlich durch Holzimporte eingeschleppt, wächst diese Art stets in der Nähe von Kiefern (Weymouthskiefer, Zirbelkiefer). Aber auch in den Alpen kommt er relativ häufig vor, wohingegen der Fund dieser Art in unserer Region ein eher seltener Glückstreffer ist.

Als wir bereits auf dem Rückweg waren, kamen wir an einer Stelle vorbei, die im letzten Jahr einige Pfifferlinge hergab. Heute war es aber noch einen Tick heftiger, denn zunächst konnte ich sie gar nicht entdecken, aber nachdem ich die Heidelbeer-Büsche etwas beiseite schob, standen dort weitere zwanzig Exemplare. Teilweise riesig, teilweise noch klein, aber alle fest und frisch – womit auch heute wieder fast ein Kilogramm feinster Pfifferlinge in den Korb wanderten.

Dita war nach einer fast drei Kilometer langen Tour sichtlich beeindruckt und müde, aber zuhause angekommen, nach einem Schläfchen war die kleine Dame wieder putzmunter, freute sich auf ihr Fressen und tobte danach mit Molly im Garten umher. Ein durchweg gelungener Sonntag mit großartigen Funden. Für mich persönlich ist der Fund der Herbsttrompete etwas ganz besonderes, da wir in der Region überwiegend saure Böden haben, während diese Art basische Böden bevorzugt. Die Entdeckung dieses Flecks war im letzten Jahr für mich der Hauptgewinn, denn davon träumte ich seit langer Zeit. Umso schöner war es deshalb heute festzustellen, dass dort auch in diesem Jahr die Herbsttrompete wieder zu Gast ist.

28 Momentaufnahmen unseres heutigen Ausflugs und der Funde des Tages…