Tag-Archive for ◊ Fichtelgebirge ◊

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• Samstag, Juni 25th, 2011

Dezente 15° C, Windstille, zeitweiliger Sonnenschein, leichte Bewölkung – das perfekte Wetter für lange Streifzüge durch die Wälder. Zur Vorsicht habe ich heute neben dem Canon EF 35-105mm auch Canon’s Standardobjektiv EFS 18-55mm eingepackt, was ohne Kameratasche ein eher heikles Unterfangen ist. Dennoch wollte ich nicht wieder in die missliche Situation kommen, bei Nahaufnahmen nicht die erforderliche Ausrüstung am Mann zu haben…

Unsere Tour führte uns heute über 5,7 km quer durch das Wellertal und noch immer ist das Pilzwachstum recht zögerlich. Vereinzelt zeigen sich erste Spezies der Gattung Russula (Täublinge), die Exemplare von Megacollybia platyphylla (Breitblättriger Rübling) sind bereits im Zerfallstadium, die am Standort verbliebenen Cantharellus cibarius (Pfifferlinge) haben kaum an Größe zugelegt und von Boletaceae (Röhrlingen) noch keine Spur. ABER: das macht überhaupt nichts, denn Molly und ich haben einen denkwürdigen Moment erlebt, der zunächst ein klein wenig Unbehagen in mir aufsteigen ließ…

Wir wanderten in einen halbverborgenen Seitenweg, fanden dort einen (noch unbestimmten) Pilz und gingen immer tiefer in diesen Waldabschnitt hinein.

Nach gut 400 Metern standen wir vor der Wahl, ob wir uns querfeldein durchs Unterholz begeben oder doch wieder umkehren – letzteres erschien mir die sinnvollere Alternative zu sein. Also zurück und an einer Lichtung angekommen, die wir gerade eben erst durchwandert hatten, sah ich zusammengeringelt diese Gesellin:

Ich befahl Molly erst einmal in den Platz-und-bleib und näherte mich langsam, denn ein Foto musste ja drin sein. Die Schlange, die auf den Namen Vipera berus (Kreuzotter) hört, nahm mich sogleich ins Visier und zischte erst einmal drohend in meine Richtung. Da wird einem schon ein bisschen mulmig, aber letztendlich machte sie den ersten „Schritt“ und schlängelte sich davon. Hier konnte ich nun einige Fotos machen, wenngleich sie die drohenden Zischlaute weiterhin von sich gab.

Für mich war diese Begegnung eine Premiere, denn die Kreuzotter im Fichtelgebirge kannte ich nur aus den Erzählungen meines Großvaters, aus einer Zeit, in der es noch üblich war diese heute streng unter Naturschutz stehende (Rote Liste RL2 – stark gefährdet), heimische Schlangenart zur Strecke zu bringen.

Auf dem weiteren Weg durften wir uns an den zahlreich sprießenden Walderdbeeren erfreuen, die 2011 wirklich so zahlreich vertreten sind, wie ich es noch nie zuvor erlebt habe.

Im letzten Abschnitt fanden wir noch drei ganz junge Amanita rubescens (Perlpilz), die aber am Standort verblieben.

Hier alle Aufnahmen des heutigen Tages als komfortable Galerie zum Durchklicken…

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• Samstag, April 23rd, 2011

Ich wohne ja in Oberfranken, wo der überwiegende Teil der Landschaft mit saurem Boden „gesegnet“ ist. Dazu noch größtenteils Monokulturen und das in Kombination mit den „Hochmooren“ des Mittelgebirges – nicht wirklich gute Voraussetzungen, um Spezies zu finden, die es auf basische Böden abgesehen haben.

Ich glaube ja dennoch, dass es mir gelingen wird in unseren Wäldern Morcheln zu finden und bin eifrig auf Google Maps unterwegs, betrachte mir die Wälder dort von oben, aber werde nur sehr selten fündig, was verheissungsvolle Abschnitte betrifft. In den vergangenen Wochen war dazu noch meine Zeit sehr reduziert, aber ich habe mich damit getröstet, dass es in meiner Region sowieso immer erst deutlich später als anderswo in Deutschland zu fruktifizieren beginnt.

Heute also am Nachmittag, als die Temperaturen ein wunderbar erträgliches Maß gefunden haben auf den Weg in den Wald gemacht, Molly im Schlepptau, Korb blieb zuhause, eine Stofftasche am Mann ist genug.

Mein Fokus ist momentan mehr auf die zahlreichen Rindenhaufen gerichtet, da in den letzten zwei Jahren viele dieser Ansammlungen als Relikt der Forstarbeiten in unseren heimischen Wäldern vorzufinden sind. Erwartungsgemäß war es dann wieder so, dass man ausser vereinzelten Baumpilzen absolut nichts vor die Linse bekam, aber das störte mich nicht weiter – das Wetter war einfach zu herrlich, als dass ich mir davon die Laune verderben lassen hätte. Molly war auch am Herumtollen und so war es dann auch ganz entspannt.

Nach ca. 2 km Fußmarsch sichte ich wieder einige Rindenhaufen – vergeblich. Also, mache ich mich wieder auf, ab in die Gegenrichtung – aber halt. „Der Haufen da hinten… am Ende guckst du dort nicht und dann geht da was und du hast es aus Bequemlichkeit übersehen…“.

Zurück zu diesem Haufen und siehe da: eine winzig kleine Morchel, vermutlich Morchella conica, strahlt mich da an…

Das war für mich wirklich ein bewegender Moment, da sich diese wunderbare Spezies in meinen Breiten so rar macht, dass es wirklich wie die Nadel im Heuhaufen war, diesen einzelnen Fruchtkörper bewundern zu dürfen. Ich schoss dann eine ganze Bildreihe, bevor es weiterging. Wir wanderten noch durch einen sehr sumpfigen Abschnitt, entsprechend toll sah Molly dann auch aus.

Seht mir nach, dass der überwiegende Teil der Fotos Momentaufnahmen des Ausflugs sind – meine Wälder geben im Moment leider nicht mehr her.

Beste Grüße,
Ralf