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FRAGE Regionale Besonderheiten
#1
Hallo und guten Abend allerseits!

Mittels Online-Kartierung und den Grosspilzen B-W´s vergleiche ich mittlerweile etliche Parameter und bin doch auf diverse Abweichungen gestoßen.
Das betrifft etwa die Erscheinungszeit einiger Arten; Fliegenpilze im Juni sind da das prominenteste Beispiel, aber auch die Wahl des Mykorrhizapartners, das betrifft in erster Linie einige (Dick-)Röhrlinge, ist schlicht und ergreifend oft abnormal.

So würde mich interessieren, was ihr an Sachverhalten festgestellt habt, die es normal nicht geben "dürfte" und vor allem, was steckt dahinter, welche Erklärungen sind plausibel unter +- wissenschaftlichem Aspekt vertretbar?
Damit meine ich natürlich keine kaum erforschten Ascomyceten, bei denen liegt wahrscheinlich das Unmögliche an der Tagesordnung.

Gruß,
Johannes
Man erfreut sich an der unglaublichen Artenvielfalt Smile
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#2
Hallo Johannes

[amquote]
(31-05-2013, 02:50 AM)sirw schrieb: Mittels Online-Kartierung und den Grosspilzen B-W´s vergleiche ich mittlerweile etliche Parameter und bin doch auf diverse Abweichungen gestoßen.
Das betrifft etwa die Erscheinungszeit einiger Arten; Fliegenpilze im Juni sind da das prominenteste Beispiel

Du musst dich von der Vorstellung verabschieden das Pilze nur in dem Zeitraum fruktifizieren die ihnen die Literatur zugesteht. Sind die Witterungsbedinungen günstig, ist eine Herbstart schon mal früher zu finden. Ganz aktuell ist hier dieses " Frühjahr " zu nennen. Temperaturen und Niederschlagsmengen die eher an den Herbst erinnern lassen auch hier im Moment Arten sprießen die man sonst viel später im Jahr findet. Abweichungen sind keineswegs abnormal sondern immer mal wieder drin. Von " nicht geben dürfte " kann also keine Rede sein.

[amquote]
(31-05-2013, 02:50 AM)sirw schrieb: aber auch die Wahl des Mykorrhizapartners, das betrifft in erster Linie einige (Dick-)Röhrlinge, ist schlicht und ergreifend oft abnormal.
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Ähnlich verhält es sich mit den Mykorrhizapilzen. Sie lesen halt nicht nach mit wem sie eine Symbiose eingegen dürfen und mit wem nicht. Mykorrhizapilze können schon mal Mangels ihres angestammten Partners mir anderen Gehölzen eine Partnerschaft eingehen. Ich habe schon des öfteren gelesen das z.B. der Goldröhrling in Gebieten wächst wo weit und breit keine Lärche in der Nähe ist. Ähnlich verhält es sich mit den Dickröhrlingen, die gehen ab und an auch mal fremd. Ok, das ist zwar nicht die Regel aber auch hier würde ich nicht von Abnormalität sprechen.

Alles in allem kein Grund zur Besorgnis. Seh die Literaturangaben künftig als Richtlinie, nicht als unumstößliches Gesetz.

Gruß
Harry
http://www.pilzfotopage.de
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#3
Hallo!

Auch möchte ich hinzufügen, dass sich Organismen anzupassen versuchen.
Ich denke, gerade in unserer Zeit, wo sich aufgrund des menschlichen Einflusses auf die Natur einiges (meist nicht Positives) schneller bewegt als in den letzten 20000 Jahren, versuchen sich auch Organismen wie die Pilze an die veränderte Lebenssituation anzupassen .
Oft ist das in der Kürze vielen nicht möglich, dennoch meine ich, gerade bei den Pilzen, auch "Schnell-Anpasser" zu kennen.

Als Beispiel fällt mir gerade der B U C H E N-Adernzähling (so zu Anfangszeiten genannt) ein, also Plicatura crispa.
Inzwischen fällt es mir schwer, ein Substrat zu benennen, an dem ich ihn nicht schon gefunden hätte. Seit ca. 3 Jahren ist er auch an Nadelholz present.

Oder Pycnoporellus fulgens (Leuchtender Weichporling)? Von wegen wie früher nur an Nadelholz!

Phyllotopsis nidulans (Orange-Seitling)?
Die breiten ihr Substratspektrum zusehends aus.

Bei Mykorrhiza-Pilzen habe ich da eher Probleme. S. grevillei (Lärchenröhrling) ohne Lärche kann ich einfach nicht eher glauben, bevor ich es selbst sehe.
Aber warum nicht? Anpassung ist alles!

VG Ingo W


Die Merkmale sind es, die die Bestimmung der Pilze ermöglichen. Wer sich keine Mühe gibt oder keine Zeit hat, die zu erkennen, sollte eigentlich keine Pilze bestimmen oder bestimmt haben wollen.
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#4
Hallo Harry, hallo Ingo,

vielen Dank für eure Antworten!

Die Fliegenpilze habe ich herausgepickt, da die alljährlich schon im Juni erscheinen und das imo schon etwas ist, dass in weiten Teilen Deutschlands in dieser Form absolut unüblich ist. Das betrifft dazu zahlreiche andere herbstliche Arten, die ähnliche Ansprüche haben, überhaupt nicht. Es ist also wirklich so, die stehen gerne neben Sarcosphaera coronaria, dem Kronenbecherling oder früh erscheinenden Russula-Arten. Ich finde das seltsam und so will man nun gern eventuelle Gründe wissen.

Genauso ist es ja bei Boletus luridus/ dem Netzstieligen Hexenröhrling. Jenseits von 1000 Meter ü. NN findet man den Quasi nur noch bei Fichten, obwohl es passende Laubbäume noch weit höher geben würde. Von Fremdgehen kann also keine Rede sein.

Ich sehe Literaturangeben keinesfalls als einzig gültige Wahrheit an, vielmehr versuche ich, Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu finden und dann eben Gründe dafür zu suchen.
Freilich muss man dazu differenziert vorgehen, also so ziemlich alles in Betracht ziehen.

Bei den Saprobionten muss man sich manchmal echt wundern, wie verdammt schnell sich gewisse Arten anpassen können, allerdings fällt mir hier wenig ein, dass sich massiv von Literaturangaben in meiner Gegend unterscheidet, von der Häufigkeit und vertikalen Verbreitung mal abgesehen. Gut, da könnte man jetzt weitergehen und die Erscheinungszeit miteinbeziehen. Aber das ist mir gerade zu profan im Vergleich zu obrigen Beispielen. Denn das ist ja keine regionale Besonderheit, sondern ganz normal in der Höhenlage.

Viele Grüße,
Johannes
Man erfreut sich an der unglaublichen Artenvielfalt Smile
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#5
[amquote]
(02-06-2013, 04:28 AM)Ingo W schrieb: S. grevillei (Lärchenröhrling) ohne Lärche kann ich einfach nicht eher glauben, bevor ich es selbst sehe.
Hallo Ingo,

damit hätte ich bis vor kurzem auch ein Problem gehabt aber seit mir nachgewiesen wurde, das Suillus bovinus auch unter Rotbuchen vorkommt glaube ich alles. Ich habe es selbst gesehen, weit und breit keine Kiefer in Sicht.

VG Willihund
[/amquote]
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