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• Sonntag, August 29th, 2010

Erika, Molly und ich haben uns bereits um 11.15 Uhr auf den Weg gemacht, was in Franken am Sonntag die perfekte Uhrzeit ist, weil fast alle sind mit ihrem Mittagessen beschäftigt. Aus diesem Grund begegnete uns heute auch niemand – ganz wie gewünscht. Und Molly freut sich dann auch immer, kann es gar nicht abwarten von der Leine gelassen zu werden:

Zu Beginn der Tour waren die Funde recht spärlich gesät, aber erfreulich waren diese Raufußröhrlinge (Leccinum brunneogriseolum) alias Wollstieliger Raufußröhrling („Birkenpilz“), die ich in den letzten Jahren nur selten und nie in diesem guten Zustand fand. Zudem habe ich nun endlich ein scharfes, licht- und farbechtes Foto für mein Lexikon:

Die Zielsetzung des Tages war heute nicht ein voller Korb (wenngleich als schöner Nebeneffekt nicht zu verachten), sondern weitere unbekannte Arten sichten, fotografieren und bestimmen. Gleich zu Beginn fanden wir diese Pilze, die ich zwar schon einmal im Pilzforum gesehen habe, deren Name mir allerding mittlerweile wieder entfallen ist – weitere Informationen dazu werden später folgen:

An der selben Stelle wie bereits vor einer Woche durften wir weitere Totentrompeten (Craterellus cornucopioides) finden, eine passende Ergänzung zu den mittlerweile getrockneten Exemplaren. Auch fanden sich zahlreiche Violette Lacktrichterlinge alias Amethystblaue Lacktrichterlinge (Laccaria amethystea), die ich ebenfalls zur Verwendung als Würzpilz trocknen werde.

Boletus edulis hält sich momentan zurück, Maronenröhrlinge ebenso, vereinzelte Sandröhrlinge sind zu finden, der Butterröhrling und der Lärchenröhrling stört sich ebenfalls nicht am wechselhaften Wetter. Weitere Pfifferlinge (genau richtig für unser heutiges Abendessen -> Rinderfilet mit Steinpilz-Pfifferling-Sauce und Herzoginkartoffeln) wanderten in den Korb und auch vereinzelte flockenstielige Hexenröhrlinge durften wir entdecken.

Dieser Abschnitt war von vielen Lärchenröhrlingen übersät, von denen wir aber nur eine Handvoll mitnahmen:

Ebenso erfreulich war dieser wunderschöne Milchbrätling, der nicht der einzige bleiben sollte…

Auf einem Seitenweg, den ich eigentlich gar nicht einschlagen wollte, kamen wir irgendwann an einem sehr dichten Abschnitt seitlich des Weges vorbei, wo man zwischen den Bäumen (Birken, Kiefern, Buchen, Fichten) riesige Fliegenpilze leuchten sah – für mich Anlass einen Blick hinein zu werfen, selbst wenn diese Aktion mit zahlreichen Asthieben ins Gesicht verbunden war. Molly begleitet mich immer sehr gerne bei solchen Zwischenausflügen und ich fühle mich dann auch ein wenig sicherer – wer weiß, was da neben Pilzen im Dickicht noch so auf einen wartet.

Nach ca. 20 Meter Kampf durch’s Gestrüpp sehe ich erneut etwas Rotes leuchten, ein anderes Rot als das der Fliegenpilze: Leccinum testaceoscabrum! Auch bekannt als Schwarzschuppige Birkenrotkappe oder Heidenrotkappe – eine, zwei, drei, vier, fünf… den Korb abgestellt, umgesehen, entschieden den Korb mitzunehmen, unterwegs zu ernten und einfach immer tiefer hinein zu laufen. Kleine, mittlere, große und riesige Exemplare so weit das Auge reichte. Zwischendurch in diesem dunklen Dickicht ein Foto gemacht, weil dieses Zwillingspaar einfach zu schön anzusehen war:

Nun gut, nach einer guten Sammelaktion raus auf den Weg und Molly eine kleine Pause gegönnt – hier die Ausbeute vom ERSTEN Abschnitt 😉

Ein gigantisches Exemplar, dass ich dann in kleine Stückchen zerteilt zum Aussporen wieder ausbrachte:

Erika wollte eigentlich zurückgehen, weil das Wetter schlechter wurde, aber ich war im Jagdfieber und wenn wir in einer Woche zu dieser Stelle zurückkehren, ist jeder Röhrling im Regelfall bereits hinüber, der in dieser Woche noch ansehlich gewesen wäre – somit ging es noch einige Meter weiter. Molly gefiel das auch, denn sie saß in einigem Abstand zu uns lauernd, ob wir nun zurücklaufen oder ob die Wanderung noch fortgesetzt wird.

Einige Meter weiter sah der Baumbestand identisch aus, also ging es noch einmal in dieses Dickicht und schon nach wenigen Metern weitere Rotkappen, eine schöner als die andere. Weitere Milchbrätlinge und selbst ein Steinpilz standen in diesem dunklen Wald und in Nullkommanix war mein Korb nun vollständig gefüllt. Ich begab mich zurück auf den Weg – ein kleiner Eindruck vom Korb, der von Molly bewacht wird:

Eine Tour von dreieinviertel Stunden kann sehr ermüdend sein, aber es hat sich gelohnt – in jeder Hinsicht. Nun heisst es zwar viel putzen, schneiden und einfrieren, aber nach dem Verlust der Wintervorräte kommt dieser Fund sehr gelegen. Besonders die zahlreichen Rotkappen-Funde, von denen ich seit Wochen träumte, waren es wert.

Die gesamte Ausbeute des Tages stellt sich so dar:

Und hier alle Bilder noch einmal als Galerie, durch die man sich bequem durchklicken kann:

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• Samstag, August 28th, 2010

Molly und ich haben heute eine dreistündige Tour gemacht, zunächst bei milden 17° Celsius und Sonnenschein, dann bei heftigen Regenschauern und schlagartig gefallenen Temperaturen.  Aufgrund des wechselhaften Wetters der letzten Tage habe ich mich bewusst auf neue Arten konzentriert, weil die Röhrlingsfunde derzeit eher rückläufig sind – zumindest was den Boletus Edulis betrifft.

Auf dem Weg zum Wald ließ ich mich von Erika wieder einmal an einer Stelle absetzen, die mir in den letzten Tagen immer wieder fantastische Raufußröhrlinge lieferte – auch dieses Mal wieder: fünf junge, wunderschöne Birkenrotkappen (Leccinum testaceoscabrum), die man auch als Heidenrotkappe oder Schwarzschuppige Rotkappe kennt.

Wie bereits bei unseren letzten zwei Exkursionen durfte ich bemerken, dass die Pfifferlinge ihr Terrain zurück erobern – wohl auch der Grund für ein gutes Pfund frisch gewachsener Exemplare in Laubwaldabschnitten und Nadelholzwäldern. Darüber hinaus standen Butterröhrlinge, Fichtenreizker, Fichtensteinpilze, flockenstieliege Hexenröhrlinge, Hallimasch, Kuhröhrlinge, Maronenröhrlinge, Milchbrätlinge, Mohrenkopfmilchlinge, Perlpilze, Rotfußröhrlinge, Sandröhrlinge, Trompetenpfifferlinge und violette Lacktrichterlinge auf dem Programm.

Als besonderes Highlight des Tages habe ich weitere Exemplare des Pilzes gefunden, der gestern bereits meinen Weg kreuzte und den ich nun eindeutig bestimmen konnte. Der als guter Speisepilz gehandelte Reifpilz (Rozites caperatus syn. Rozites caperata), der im Volksmund auch Scheidenrunzling, Runzelschüppling, Hühnerkoppe oder Zigeuner genannt wird, scheint die momentane Witterung zu mögen. Hier einige Aufnahmen einer Stelle, wo sich diese Spezies sehr wohl fühlt:

Die Bilder des Tages als komfortable Galerie zum Durchblättern

Viel Erfolg an alle sammelnden Leser für die nächsten Tage – die Suche geht weiter 😉

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• Freitag, August 27th, 2010

Der Regen ließ nach und selbst wenn es weiter in Strömen geregnet hätte, wären Molly und ich losgezogen. Anfangs wollte sie nicht so recht, denn zeitweise ist ihr scheinbar nicht so ganz klar, dass sie als britischer Hütehund dieses nasse Klima aushalten muss – ich konnte sie dann aber doch bewegen, denn zu einem langen Ausflug sagt sie eigentlich nie nein.

Als kleine Vorgeschichte des Tages: die erste Nachricht, die ich heute nach der Arbeit hören durfte, lässt sich mit dem Wort „Super-Gau“ beschreiben. Unsere Kühltruhe im Keller hat vor zwei, drei Tagen den Geist aufgegeben. Konsequenz daraus: ca. 8 Kilogramm Pilze (der größte Teil meiner in den letzten Wochen angelegten Wintervorräte), davon allein drei bis vier Kilogramm feinste, junge Steinpilze haben sich in einen übelriechenden Matschbrei verwandelt. Sehr unerfreulich und ich hoffe nun, dass sich die Steinpilze in den nächsten Wochen noch einmal so zahlreich sehen lassen. Umso motivierter bin ich jetzt natürlich, dieses Defizit auszubügeln und neue Vorräte anzulegen.

Es ging quer durch die Wälder des Wellertals und Röhrlingsfunde gab es anfangs nur sehr sporadisch. Die Maronenröhrlinge sind aufgrund der heftigen Regenschauer durchnässt, verschimmelt oder komplett schneckenzerfressen, Sandröhrlinge gibt es derzeit auch nicht in den gewohnten Unmengen, aber andere Arten lassen sich nun sehen. Der Trompetenpfifferling ist massiv auf dem Vormasch und zu meiner Verwunderung habe ich riesige Kolonien des Schafporlings entdeckt – sehr ungewöhnlich.

Perlpilze gibt es in Hülle und Fülle, davon nahm ich auch eine große Menge mit, die ich dann unserem Sohn Christian überließ. Ihm schmeckten sie, ich selbst hätte sie sowieso nicht zubereitet, weil das nicht so meine Wellenlänge ist.

Auch der Pfifferling kehrt so langsam zurück

und überall findet man violette Lacktrichterlinge. Eine große Menge Stockschwämmchen habe ich auch geerntet. Diese habe ich zuhause bestimmt, die Indikatoren sind recht eindeutig, aber so ganz traue ich der Sache dann doch nicht und ein Selbstversuch auf die Gefahr hin potentiell den Gifthäubling zu verspeisen ist nicht wirklich in meinem Interesse.

Einige Fichtensteinpilze habe ich gefunden, flockenstielige Hexenröhrlinge, Milchbrätlinge, Kuhröhrlinge und dann waren da noch Arten, auf die ich mich in den letzten Tagen durch Literatur vorbereitet habe. Vermutlich habe ich Reifpilze (Rozites caperatus) gefunden, muss meine Bestimmung aber erst noch abschließen. Dann gab es noch einen Erstfund: vermutlich habe ich einige Exemplare des kleinen Waldchampignon (Agaricus silvaticus) gefunden.

Auch hier bin ich allerdings noch am Bestimmen.

Der Hallimasch hält nun Einzug und ich habe die ersten Exemplare gefunden:

Im großen und ganzen kann ich mich nicht beschweren, denn wir waren drei Stunden bei angenehmen, leicht bewölktem Wetter unterwegs und auch die Funde waren annehmbar. Sicherlich werden die nächsten Tage wieder ertragreicher – das wünsche ich mir zumindest, denn die Wintervorräte müssen ja neu angelegt werden.

Molly durfte sich zwischendurch auch freuen, denn wir haben eine Dame mit einer Australian Shepherd-Hündin namens „Sky“ getroffen und die zwei Hundedamen mochten sich auf Anhieb.

Die Funde des heutigen Tages im Überblick

Und mein „Reifpilz“, leider nur bei Kunstlicht fotografiert…

Hier die schönsten Aufnahmen unseres Ausflugs noch einmal als Galerie…